Schadstoffe im Honig – Wann ist Honig giftig?

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Dr. rer. medic. Harald Stephan

Autor: Dr. rer. medic. Harald Stephan

Über den Autor: Dr. rer. medic. Harald Stephan hat nach seinem Studium der Biologie an der Universität des Saarlandes als Wissenschaftler an den Universitäten Marburg, Bochum und Duisburg-Essen gearbeitet.

Letzte Aktualisierung: 16.11.2024

Verfasst unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Standards. Erfahre mehr über Bienen.info

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Honig ist Natur pur und gesund? Nicht notwendigerweise. Die Bienen vertragen einige Mitbringsel aus den besuchten Blüten wesentlich besser als der Mensch, der ihnen den Vorrat klaut. Giftstoffe wie Schwermetalle oder Pestizide haben die nektarproduzierenden Blühpflanzen aus dem Boden aufgenommen. Mancher Nektar enthält Toxine, die halluzinogen wirken oder in hohen Dosen tödlich sind. Ungesund wird aber auch jeder normale Honig, wenn man ihn unsachgemäß lagert oder erhitzt. Die Gefahr einer akuten Vergiftung mit giftigen Honigsorten ist meist eher gering. Wesentlich häufiger steht eine Akkumulation toxischer Substanzen zu befürchten. Erfahre in diesem Artikel alles Wissenswerte worauf du bei Honig achten musst von dem Gesundheitswissenschaftlicher Dr. Harald Stephan.

Nicht zu alt, nicht zu warm: Gesundheitsgefährdung durch 5-HMF im Honig

5-Hydroxymethylfurfural (5-HMF) findet man in neuem Honig nur in winzigen Mengen, und ein geringer Gehalt gilt als Frische- und Qualitätsmerkmal. Mit zunehmender Lagerdauer oder bei zu starker Erwärmung zerfällt Fructose unter Dehydratisierung zu 5-HMF. Je nach pH-Wert, Wassergehalt, Calcium- und Magnesiumkonzentration sowie Lagerungsbedingungen nimmt der HMF-Gehalt jährlich um 2-3 Milligramm zu. In der EU gilt ein Grenzwert von 40 Milligramm pro Kilo, der Deutsche Imkerbund (DIB) schreibt maximal 15 Milligramm pro Kilo vor.

5-HMF findet sich beispielsweise auch in Trockenpflaumen und Karamell, der als Grundlage von Zuckerkulör unter der Bezeichnung E 150d vielen Lebensmitteln Farbe verleiht. Seine tägliche Aufnahme mit der normalen Nahrung schätzt man auf vier bis 30 Milligramm pro Kopf und Tag. Die Substanz gilt als mutagen, karzinogen und zytotoxisch, wobei das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) zwar warnt, aber bei den in Lebensmitteln üblichen Mengen keine akute Gefährdung sieht.

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    Unmittelbar toxisch ist Honig mit 5-HMF also nicht, aber erhitzte und überlagerte Chargen sollte man sicherheitshalber vermeiden. Zugleich ist das einer der Gründe, warum man ihn niemals über 40 Grad Celsius erhitzen sollte.

    Grayanatoxine

    Grayanatoxine sind sekundäre Pflanzenstoffe, die einige Heidekrautgewächse (Ericaceae) zum Schutz vor Fressfeinden bilden. Dazu gehören

    • Rhododendron spec. – Rhododendron-Arten, die in Asien, Nordamerika und selten in Europa heimisch sind,
    • Pieris spec. – Lavendelheide aus Ostasien, Nordamerika und der Karibik,
    • Andromeda spec. – Rosmarinheide, welche auf der Nordhalbkugel gedeiht,
    • Kalmia spec. – die nordamerikanischen Lorbeerrosen und
    • Agarista spec. – die in Südamerika und Madagaskar vorkommenden Agarista-Arten.

    Sie finden sich in allen Pflanzenteilen, sogar in Pollen und Nektar, mit denen sie in den Bienenstock gelangen. Berühmt ist der Pontische Honig, den man auch als Schwarzmeerhonig, Rhododendronhonig oder Tollhonig „mad honey“ bezeichnet. Interessanterweise schadet er den Bienen überhaupt nicht – wohl aber Menschen, die unzuträgliche Portionen zu sich nehmen.

    Grayanatoxine wirken neurotoxisch. In geringen Dosen sind sie halluzinogen, in größeren Mengen kommt es durch die Aktivierung von Natriumkanälen zum Vagotonus. Dieser äußert sich mit Übelkeit, Ermüdung, Verlangsamung der Herztätigkeit, Puls- und Blutdruckabfall bis hin zum Tod durch Kreislauf- und Atemstillstand.

    Das hält die Menschen nicht davon ab, den psychedelischen Honig pur oder in Getränken zu konsumieren. Lokal gilt er als Heilmittel gegen diverse Erkrankungen, etwa an der Schwarzmeerküste oder beim Volk der Gurung in Nepal. Als Aphrodisiakum überdosiert führt Grayanatoxin-haltiger Honig regelmäßig zu Todesfällen, vor allem nachdem er immer häufiger online verkauft wird. Tierpenisse und Nashornpulver sind ebenso wirkungslos, aber nicht ganz so fatal: Klassischerweise treten die meisten Todesfälle bei asiatischen Männern mittleren Alters auf.

    Einen ausführlichen Beitrag über halluzinogenen Honig finden Sie hier.

    Mutterkornalkaloide im Honig

    Eine LSD-ähnliche Wirkung hat D-Lysergsäureamid (LSA, Ergin), Isolysergsäureamid und Lysergol, die im Nektar der „grünen Schlange“ vorkommen. So nannten die Azteken die Ololiuqui-Ranke, das Windengewächs Turbinia corymbosa. Der von stachellosen Melipona-Arten gesammelte Nektar liefert einen Honig, den bereits die alten Maya mit seiner psychedelischen Wirkung für rituelle Handlungen benutzten und der bis heute in verschiedenen Getränken Verwendung findet.

    Todesfälle aufgrund einer akuten Intoxikation mit Mutterkornalkaloiden aus Honig sind nicht bekannt. Wie bei vielen anderen psychoaktiven Substanzen kommt es aber häufig zu Unfällen im Rauschzustand, vor allem wenn sich weitere Halluzinogene oder Alkohol dazugesellen.

    Weiterführende Informationen über den psychedelischen Honig aus Mittelamerika sind hier nachzulesen.

    Allerlei Alkaloide: Biogene Gifte im Honig

    Etliche Pflanzen bildet mehr oder weniger toxische Alkaloide, die auch in Nektar und Pollen erscheinen. In der wissenschaftlichen Literatur finden sich vereinzelt Beschreibungen von ernsthaften Vergiftungen und Todesfällen mit Honig, den Bienen an diesen Futterlieferanten gesammelt haben:

    • Tropanalkaloide wie Atropin und Scopalamin in Nachtschattengewächsen (Solanaceae), darunter Stechapfel (Datura stramonium.), Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) und Tollkirsche (Atropa belladonna). Ihr Sortenhonig verursacht Halluzinationen, Herzklopfen und Benommenheit.
    • Pyrrolizidinalkaloide (PA) bei Borretschgewächsen (Boraginaceae), Hülsenfrüchtlern (Fabaceae, vor allem Crotalaria spec.) und Korbblütlern (Asteraceae). Die leberschädigenden und als krebserregend geltenden Giftstoffe sind durch das Jakobs-Greiskraut (Senecio jacobaea) bekannt geworden und sollten laut Bundesamt für Risikobewertung (BfR) möglichst überhaupt nicht verzehrt werden.
    • Indolalkaloide wie Gelsemin, Gelsemicin und Gelsedin aus dem amerikanischen Carolina-Jasmin (Gelsemium sempervirens), die als Nervengifte agieren und Übelkeit, Muskelspasmen und Durchfälle verursachen.
    • Das Diterpen-Alkaloid Aconitin führt zu Atemstillstand und Herzversagen. Es findet sich in allen Pflanzenteilen der giftigsten Pflanze Europas, dem Hahnenfußgewächs Eisenhut (Aconitum napellus) – auch in seinem Nektar und Pollen. Schon geringe Anteile im Honig können erhebliche Vergiftungserscheinungen hervorrufen.
    • Tutin ist ein Toxin, das seinen Namen vom neuseeländischen Tutu-Strauch erhalten hat. Coriaria arborea gehört zu den Gerberstrauchgewächsen (Coriariaceae). Hier ist es nicht der Nektar, der das Gift in den Honig bringt, sondern Honigtau. Er stammt von der Spitzkopfzikade Scolipopa australis, die sich am Saft der Bäume gütlich tut.

    Schwermetalle

    Verschiedentlich berichtet man von Kontaminationen des Honigs mit Schwermetallen wie Blei, Arsen, Cadmium und Quecksilber. Man könnte vermuten, dass er demzufolge einen recht guten Umweltmonitor für solche Gifte darstellt. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass alle untersuchten Metalle mit Ausnahme von Aluminium, Blei und Cadmium im Honig in geringerer Konzentration auftauchen als im Körper der Bienen. Demzufolge wirken die Tiere wie ein Biofilter, der die toxischen Schwermetalle aus dem Nektar entfernt und das Bienenprodukt vor einer Kontamination schützt. Möchten Wissenschaftler also mehr über eine mögliche Schwermetallbelastung erfahren, sind die Bienen selbst für Messungen besser geeignet als ihr Sammelgut.

    Eine besonders gute Nachricht ist das nicht, denn sie zeigt, dass sich diese Metalle in Organismen akkumulieren. Sie dürften sicherlich mit zum Bienensterben beitragen. Und auch für uns sind solche Giftstoffe in der Umwelt höchst ungesund, ohne dass wir sie zuvor mit Honig zu uns nehmen müssten.

    Pestizide

    Pestizide

    Die Quittung für unsere industrielle Landwirtschaft bekommen wir mit dem Frühstück serviert. Stiftung Warentest fand in jedem dritten untersuchten Honig Spuren des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat. Bei einer Sorte erreichte die Konzentration die Hälfte des gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwertes von 50 µg/kg. Eine andere Untersuchung entdeckte in jedem dritten Honig Glyphosatmengen, die in der EU nicht mehr verkehrsfähig wären.

    Derlei Rückstände sind nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel und zudem nur die Spitze eines Eisberges sonstiger Pestizide. Man findet immer nur das, was man gezielt sucht. Auch wenn solcher Honig nicht akut toxisch ist, sind die Langzeitwirkungen nicht abzusehen, und zudem sind Pestizidrückstände aus der Landwirtschaft weder für Mensch noch Biene gesund.

    Diese These wird durch eine aktuelle indische Untersuchung von Dr. Thimmegowda und seinem Team gefestigt. Hier fand man auf dem Chitinpanzer und im Körper der dort lebenden Riesenhonigbiene Apis dorsata große Mengen von Schwermetallen und anderen Schadstoffen – ein Resultat der teils erheblichen Luftverschmutzung in den Ballungsräumen. Die Folgen: Beeinträchtigungen des Immunsystems, des Blutes und gesamten Stoffwechsels, die Gesundheit, Verhalten und Überlebensfähigkeit der Tiere massiv beeinträchtigen. Das ist keineswegs eine Spezialität der Bienen, sondern zeigte sich genauso bei der Essigfliege Drosophila, die wir von unseren Obstschalen kennen.

    Für das Land mit der zweithöchsten Bevölkerungszahl ist eine solche Entwicklung fatal, denn die Ernährung beruht wesentlich stärker als bei uns auf Obst und Gemüse. Umso mehr ist man auf die Bestäubung durch die einheimischen Riesenhonigbienen angewiesen. Zudem legt die Untersuchung nahe, dass vergleichbare Auswirkungen auf den Menschen kaum auszuschließen sind und macht deutlich, dass wir es bei uns besser erst gar nicht so weit kommen lassen.1

    Säuglingsbotulismus durch Honig mit Clostridien

    Kind isst Honig

    Honig ist ein Naturprodukt und somit unsteril. Bakterien wie Clostridien sind überall in der Natur verbreitet und können in seltenen Fällen hineingelangen. Was für Erwachsene in der Regel unproblematisch ist, wird bei Säuglingen zum Gesundheitsrisiko. In ihrem empfindlichen Verdauungstrakt vermehrt sich Clostridium botulinum schlagartig und setzt Botulinumtoxin frei, besser bekannt als Botox. In seltenen Fällen besteht sogar Lebensgefahr. Daher sollten Kinder Honig generell erst ab dem zweiten Lebensjahr essen, wenn sich ihre Darmflora ausreichend entwickelt hat.

    Ausführliche Informationen darüber, ab wann Kinder Honig essen dürfen, sind hier nachzulesen.

    Wie gefährlich ist giftiger Honig?

    Die Gefährdung durch Alkaloide und Toxine in einheimischem Honig ist normalerweise gering. Im Gegenteil geben Leute im Internet sogar viel Geld für halluzinogenen Honig aus dubiosen Quellen aus – auf eigenes Risiko. In Deutschland sind Pyrrolizidinalkaloide aus Greiskräutern in die Schlagzeilen geraten. Schwermetalle und Pestizide finden sich ebenso in anderen konventionellen landwirtschaftlichen Produkten. Die Gefahr solcher Verunreinigungen ist in Honigsorten „aus EU- und Nicht-EU-Ländern“ meist wesentlich größer, und hier muss man zudem mit Pollen aus gentechnisch veränderten Pflanzen rechnen.

    Die Bestimmungen des Deutschen Imkerbundes sind wesentlich strenger als vergleichbare Richtlinien im Ausland, sodass man mit seinen typischen Honiggläsern qualitativ deutlich besser fährt. Etliche Hersteller lassen ihre Produkte von Laboren lebensmittelchemisch auf Schadstoffe untersuchen. Entsprechende Hinweise findet man auf dem Etikett. Solche Untersuchungen machen den Honig geringfügig teurer, aber damit ist man auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

    Bei Fair Trade bekommen die Imker mehr Lohn für ihre Ware, und in vielen Ländern der Dritten Welt stellen Rückstände aus industrieller Landwirtschaft weniger ein Problem dar als in Europa, China oder Nordamerika. Allerdings ist hier der CO2-Abdruck wegen des Transportes größer als beim Imker um die Ecke.

    Einen umfassenden Schutz vor Schadstoffen bietet Honig von deutschen Erwerbsimkern. Hochwertigen Honig finden Sie zum Beispiel hier. Die professionelle Herangehensweise von Erwerbsimkern sorgt dafür, dass Bienen artgerecht gehalten werden und der Honig aus Regionen stammt, die sorgfältig ausgewählt und regelmäßig kontrolliert werden. Zusätzlich unterliegt dieser Honig zahlreichen behördlichen Analysen, die seine Qualität und Reinheit sicherstellen. Dennoch sollte man sich bewusst sein, dass eine absolute Freiheit von Schadstoffen angesichts der allgemeinen Umweltbelastung kaum realisierbar ist.

    Quellenverzeichnis
    • (1) Thimmegowda, G. G.; Mullen, S.; Sottilare, K.; Sharma, A.; Mohanta, S. S.; Brockmann, A.; Dhandapany, P. S.; Olsson, S. B. A Field-Based Quantitative Analysis of Sublethal Effects of Air Pollution on Pollinators. Proc. Natl. Acad. Sci. 2020. https://doi.org/10.1073/pnas.2009074117.
    • Broscaru L, Dobre C, Rösick F, Halilovic A, Gulba D. Mad Honey Disease. Eur J Case Rep Intern Med. 2018 Jan 31;5(1):000742. doi: 10.12890/2017_000742. eCollection 2018. PMID: 30755974.
    • Bundesamt für Risikobewertung: 5-HMF-Gehalte in Lebensmitteln sind nach derzeitigem wissenschaftlichen Erkenntnisstand gesundheitlich unproblematisch.
    • Daugherty CG. Toxic honey and the march up-country. J Med Biogr. 2005 May;13(2):104-7. doi: 10.1177/096777200501300210. PMID: 19813313.
    • Dżugan M, Wesołowska M, Zaguła G, Kaczmarski M, Czernicka M, Puchalski C. Honeybees (Apis mellifera) as a biological barrier for contamination of honey by environmental toxic metals. Environ Monit Assess. 2018 Jan 27;190(2):101. doi: 10.1007/s10661-018-6474-0. PMID: 29374848
    • Fallico B, Arena E, Zappala M. Degradation of 5-hydroxymethylfurfural in honey. J Food Sci. 2008 Nov;73(9):C625-31. doi: 10.1111/j.1750-3841.2008.00946.x. PMID: 19021792
    • Islam MN, Khalil MI, Islam MA, Gan SH. Toxic compounds in honey. J Appl Toxicol. 2014 Jul;34(7):733-42. doi: 10.1002/jat.2952. Epub 2013 Nov 11. PMID: 24214851 Review.
    • Jansen SA, Kleerekooper I, Hofman ZL, Kappen IF, Stary-Weinzinger A, van der Heyden MA. Grayanotoxin poisoning: ‚mad honey disease‘ and beyond. Cardiovasc Toxicol. 2012 Sep;12(3):208-15. doi: 10.1007/s12012-012-9162-2. PMID: 22528814 Free PMC article. Review.
    • Rubio F, Guo E, Kamp L. Survey of Glyphosate residues in honey, corn and soy products. J Environ Anal Toxicol 2014, 5(1): 249. doi: 10.4172/2161-0525.1000249.
    • Scott PM, Coldwell BB, Wiberg GS. Grayanotoxins. Occurrence and analysis in honey and a comparison of toxicities in mice. Food and Cosmetics Toxicology, 01 Apr 1971, 9(2):179-184 doi: 10.1016/0015-6264(71)90303-8. PMID: 5559997.
    • Silici S, Uluozlu OD, Tuzen M, Soylak M. Honeybees and honey as monitors for heavy metal contamination near thermal power plants in Mugla, Turkey. Toxicol Ind Health. 2016 Mar;32(3):507-16. doi: 10.1177/0748233713503393. Epub 2013 Nov 5. PMID: 24193050
    • Wu H, Luo H, Huang F, Zhou X, Huang X, Chen The study of the constituents and source of toxicants in poisonous honey. J. Anal Biochem. 2019 Mar 15;569:10-15. doi: 10.1016/j.ab.2019.01.001. Epub 2019 Jan 9. PMID: 30639284.
    • Yang W, Zhang C, Li C, Huang ZY, Miao X. Pathway of 5-hydroxymethyl-2-furaldehyde formation in honey. J Food Sci Technol. 2019 May;56(5):2417-2425. doi: 10.1007/s13197-019-03708-7. Epub 2019 Apr 6. PMID: 31168124

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    Kommentare

    1. Guten Tag,
      ich habe auf verschiedenen Seiten im Internet immer wieder den Hinweis auf „Dr. Aiko Huckauf“ gefunden, dass er festgestellt hat, dass „PA“ sich im Honig abbaut/verändert und daher nicht mehr giftig ist. Von vielen Stellen wird diese Behauptung immer wieder dazu aufgegriffen, um das „PA“-Problem im Honig zu entkräften. Ich habe nirgends gefunden, wie die Umsetzung funktioniert. Und ich habe auch keine weitere Quelle gefunden, die das belegen kann. Haben Sie irgendwelche Informationen zu diesem Thema? Wenn das 2014 festgestellt wurde, dann sollte doch bei so einem Thema auch weitere Stellen etwas entdeckt worden sein.

      Pyrrolizidinalkaloide im Honig verringern sich mit der Zeit

      Dr. Aiko Huckauf vom Jakobs-Kreuzkraut-Kompetenzzentrum in Schleswig-Holstein erklärt die Hintergründe der Forschungsergebnisse.

      Bei mehreren Untersuchungen ist uns aufgefallen, dass der Gesamtgehalt an PAs sinkt, weil der Gehalt an sogenannten PANOs zurückgeht. Das sind Pyrrolizidinalkaloide in einer oxidierten Form. Diese überwiegt im Honig. Offenbar finden chemische Reaktionen statt, die – zumindest vorrangig – die PANOs betreffen. Vermutlich sind hier honigeigene Enzyme am Werk. Es ist zwar bislang nicht bekannt, wie genau dieser Abbau der PANOs erfolgt und welche Produkte dabei entstehen; die Untersuchungsergebnisse geben uns aber den Hinweis, dass die Abbauprodukte deutlich weniger giftig sind als die Ausgangsverbindungen. Die Forschung muss noch weitergehen.

      • Vielen Dank für Ihre berechtigte und wichtige Nachfrage zum Thema Pyrrolizidinalkaloide (PA) im Honig und insbesondere zu den wiederholt zitierten Aussagen von Dr. Aiko Huckauf. Ich habe mal meine Datenbanken bemüht.

        Zunächst einmal ist es richtig, dass Dr. Huckauf in verschiedenen Veröffentlichungen und Interviews darauf hinweist, dass in bestimmten Honigproben eine Abnahme des Gehalts an PA-N-Oxiden (PANOs) beobachtet wurde – und dass dies möglicherweise auf enzymatische oder chemische Prozesse im Honig zurückzuführen ist. Dabei wird die Hypothese aufgestellt, dass die Abbauprodukte weniger toxisch sein könnten als die ursprünglichen Alkaloide. Diese Aussage ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern basiert auf empirischen Beobachtungen im Rahmen von Projekten, etwa im Kontext des Jakobs-Kreuzkraut-Kompetenzzentrums.

        ABER:
        Und hier setzt die wissenschaftliche Einordnung an:

        → Diese Hypothese wurde bislang nicht durch sogenannte „peer-reviewte Studien“ belegt, die

        – den genauen Abbauweg,
        – die beteiligten Enzyme oder Reaktionsmechanismen,
        – die Struktur und Toxizität der entstehenden Abbauprodukte

        systematisch analysieren, dokumentieren und reproduzieren konnten.

        Die aktuelle internationale Forschungslage (z. B. Letsyo et al., 2024; Brugnerotto et al., 2020; Hungerford et al., 2019; Picron et al., 2019; Pearson et al., 2021) zeigt sehr klar:

        Was sagt die Forschung konkret?

        Nachweis & Stabilität:
        PA und ihre N-Oxide (PANOs) werden in Honig weltweit regelmäßig nachgewiesen – teils in relevanten Konzentrationen.
        In den meisten untersuchten Honigen bleiben die Gehalte über längere Lagerzeiten stabil.
        Ein signifikanter, reproduzierbarer Abbau ist in keiner internationalen Übersichtsarbeit beschrieben.

        Abbauhypothese:
        Die von Dr. Huckauf beschriebenen Beobachtungen beziehen sich auf den Rückgang von PANOs, nicht zwingend auf eine vollständige Entgiftung.
        Ob dabei toxische freie PAs entstehen, ob ungiftige Verbindungen gebildet werden oder ob es sich um eine Messunsicherheit / Umlagerung handelt, ist nicht abschließend untersucht.

        Toxizität & Risiko:
        Sowohl PANOs als auch freie PAs gelten als lebertoxisch und genotoxisch-kanzerogen.
        Es gibt keine Belege, dass die im Honig entstehenden Abbauprodukte wirklich harmlos sind.
        Regulatoren wie die EFSA gehen weiterhin vom voll erhaltenen Risiko aus, solange keine neuen toxikologischen Daten vorliegen.

        Übersicht aus der Literatur:

        PA/PANO im Honig nachweisbar
        Ja, weltweit und regelmäßig
        (Letsyo et al., 2024; Brugnerotto et al., 2020; Hungerford et al., 2019; Picron et al., 2019; Pearson et al., 2021)

        Abbau über Zeit ?
        Kein belegter systematischer Abbau
        (Letsyo et al., 2024; Brugnerotto et al., 2020; Pearson et al., 2021)

        Toxizität nach Lagerung?
        Unverändert gegeben
        (Brugnerotto et al., 2020; Hungerford et al., 2019; EFSA)

        Fazit:

        Die von Dr. Huckauf formulierte Hypothese eines enzymatischen PANO-Abbaus ist interessant und forschungswürdig, aber derzeit nicht durch belastbare wissenschaftliche Studien abgesichert.

        Bislang gilt daher:

        Pyrrolizidinalkaloide gelten auch im gelagerten Honig als toxisch, und die regulatorische Bewertung geht nicht von einer relevanten Entgiftung über die Zeit aus.

        Quellen (Auszug):

        Letsyo, E. et al. (2024): Pyrrolizidine alkaloid contamination of food in Africa. Heliyon.
        Brugnerotto, P. et al. (2020): Pyrrolizidine alkaloids and beehive products: A review. Food Chemistry.
        Hungerford, N. et al. (2019): Analysis of Pyrrolizidine Alkaloids in Queensland Honey. Toxins.
        Picron, J. et al. (2019): Monitoring of pyrrolizidine alkaloids in beehive products. Environ. Sci. Pollut. Res.
        Pearson, A. et al. (2021): Risk Assessment of PAs in New Zealand Honey. Toxins.

        noch zur Ergänzung: nachfolgende Informationen:
        Erntezeitpunkt und PA-Risiko in deutschem Honig

        Früh- und frühe Sommertrachten (bis Mitte Juni):
        Dazu zählen Raps, Obstblüte, Robinie, frühe Linde und auch viele „Sommertrachten“, die von Imkern bereits Mitte Juni geschleudert werden.
        Diese Honige liegen zeitlich vor der Hauptblüte des Jakobskreuzkrauts (Juli–August) und gelten daher in der Praxis nahezu frei von PA-Risiko.

        Späte Trachten (ab Juli):
        Nur wenige Honige werden in Deutschland überhaupt nach Juli geerntet – hier entsteht das eigentliche Risiko:

        Sonnenblumenhonig (Juli/August, besonders in Ostdeutschland und Frankreich)
        Heidehonig (August/September, v. a. Lüneburger Heide)
        Tannen- und Waldhonig (Juli bis September, abhängig vom Jahr und Standort)

        Nur diese späten Sortenhonige können zeitlich relevant PA-Einträge aufweisen.

        Fazit für Verbraucherkommunikation

        Die meisten deutschen Imkerhonige (bis Mitte Juni geschleudert) sind praktisch nicht mit PA belastet.
        Ein mögliches Risiko betrifft nur wenige späte Sortenhonige (Sonnenblume, Heide, Tanne/Wald).
        Importhonige können häufiger betroffen sein, da dort andere PA-Pflanzenarten vorkommen und oft spätere Ernten üblich sind.

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