Ab wann dürfen Kinder Honig essen?

Kinder Honig essen
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Honig ist ein beliebtes Heilmittel aus der Natur, das auch Kinderärzte ihren kleinen Patienten gerne empfehlen. Allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: Säuglingen bis zum vollendeten zwölften Lebensmonat sollten Sie lieber keinen Honig anbieten, da das seltene Krankheitsbild Säuglingsbotulismus in diesem Zusammenhang auftreten kann. Die Empfehlung gilt ebenso für Ahorn- und Maissirup. Gesunde Kleinkinder ab dem zweiten Lebensjahr dürfen Honig als Speise oder als Naturheilmittel zu sich nehmen. Erfahren sie in diesem Artikel alles Wissenswerte über den Verzehr von Honig im Kindesalter von einer Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin.

Das Naturprodukt Honig

Honig besteht aus verschiedenen Zuckern (Fruchtzucker und Traubenzucker zum Beispiel), Wasser, Proteinen, Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und weiteren Pflanzenstoffen. Je nach Herkunftspflanze unterscheiden sich die verschiedenen Honigsorten leicht in ihrer Zusammensetzung. In der Regel verzehren Kindern und Erwachsene den Honig roh. Daher besteht immer die Gefahr, dass sich Krankheitserreger in Glas oder Flasche angesammelt haben.

Der Erreger des Säuglingsbotulismus

Besonders selten, aber auch besonders gefährlich, ist im Honig der Erreger Clostridium botulinum mit seinen Sporen. Gelangen die Vorformen des Bakteriums in den Darm eines Menschen, können sie dort heranreifen und Giftstoffe (Toxine) produzieren, die zu einer extremen Muskelschwäche führen. Ein gesunder Mensch verfügt über genügend Bakterien in seiner Darmflora, um den Clostridien keine Chance zu geben, sich zu vermehren. Säuglinge haben diesen Schutzmechanismus noch nicht. Nehmen sie in den ersten 12 Lebensmonaten kontaminierten Honig zu sich, besteht in seltenen Fällen sogar Lebensgefahr.1

So äußert sich ein Säuglingsbotulismus

In Deutschland tritt der sogenannte Säuglingsbotulismus nur in vereinzelten Fällen auf.5 Viele Eltern sind über das Risiko informiert und geben ihren Kindern erst Honig, wenn sie das zweite Lebensjahr erreicht haben.

Folgende Symptome sind typisch für die Erkrankung:

  • Verlust der Kopfkontrolle aufgrund einer Muskelschwäche
  • Atemschwierigkeiten mit Schnarchen aufgrund der Muskelschwäche
  • Trinkschwäche
  • Wenig Mimik
  • Verminderte Reflexe
  • Starkes Speicheln wegen muskulärer Schluckstörung
  • Verzögerte Lichtreaktion der Pupillen im Auge
  • Verstopfung

Die Inkubationszeit der Erkrankung beträgt circa 10 Tage. Haben Sie den Verdacht auf einen Säuglingsbotulismus bei Ihrem Kind, stellen Sie es bitte sofort einem Arzt vor. Atemprobleme können durch Ersticken bis zum Tod führen.

So behandelt der Kinderarzt den Säuglingsbotulismus

Betroffene Kinder werden bei Bedarf auf der Intensivstation betreut und beatmet. Sie erhalten Immunglobuline gegen Clostridien, also fertige Antikörper, die die Toxine im Körper bekämpfen. Ein Antibiotikum kann nur die vorhandenen Keime abtöten, aber nichts gegen die Giftstoffe ausrichten, die sich bereits im Kreislauf des Säuglings befinden.

Honig als Naturheilmittel für Kinder

In den ersten Lebensjahren sind Kinder häufig krank. Besonders oft kommen im Kleinkindalter Atemwegsinfekte vor, die meist Viren zur Ursache haben. Viele Eltern sind erleichtert, wenn ihre Kinder den ersten Geburtstag hinter sich haben und sie nun Honig als Hausmittel einsetzen können. Denn Honig hat in der Bevölkerung ein hohes Ansehen als Naturheilmittel. Sie haben sicherlich Ihre eigenen Erfahrungen zu diesem Thema gemacht. Aber auch Wissenschaftler beschäftigen sich immer wieder mit der Heilwirkung des flüssigen goldenen Naturstoffes. Studien legen antibakterielle und heilungsfördernde Eigenschaften des Honigs nahe.4 Gereizte Schleimhäute im Rachen können sich nach einem Löffel Honig oder einem Glas Tee mit Honig deutlich gepflegter und beruhigter anfühlen.

Honig und Husten bei Kindern

Ein hustendes Kind quält sich besonders nachts und hält mitunter die gesamte Familie wach. Ist kein Antibiotikum notwendig, können Eltern nur die Symptome der Erkältung lindern.

Honig können Sie hier auf unterschiedliche Weise nutzen:

  • Einen Löffel Honig bei Bedarf direkt einnehmen
  • Honig in Tee oder heiße Milch einrühren
  • Fenchelhonig als fertige Zubereitung aus der Drogerie einnehmen
  • Zwiebelsaft aus einer rohen Zwiebel und Honig selbst herstellen

Wissenschaftler haben in Untersuchungen festgestellt, dass Honig möglicherweise Husten lindert und die Krankheitsdauer verkürzt, den kleinen Patienten und somit auch die Eltern besser schlafen lässt und dabei keine unangenehmen Nebenwirkungen verursacht.2, 3 Hustensäfte mit einem hohen Honiganteil werden in Studien ebenfalls positiv bewertet.6 Vergessen Sie trotzdem den hohen Kalorien- und Zuckergehalt des Honigs nicht. In der Nuckelflasche ist er eine Gefahr für die Milchzähne, die besonders anfällig für Karies sind. Verwenden Sie Honig auch bei älteren Kindern lieber in Maßen.

Ab wann dürfen Kinder Honig essen? Ein Fazit.

Gesunde Kinder dürfen ab dem zweiten Lebensjahr Honig essen. Ihre Darmflora ist so weit entwickelt, dass in der Regel keine Gefahr mehr besteht, durch den Verzehr von Honig an einem Säuglingsbotulismus zu erkranken. Im Kindesalter ist Honig ein beliebtes Naturheilmittel, das Ärzte zum Beispiel bei Erkältungskrankheiten zur Linderung der Symptome einsetzen. Vielleicht hat Ihnen Ihre Mutter früher auch ab und zu das Einschlafen mit einer warmen Honigmilch erleichtert.

Quellenverzeichnis
1. Rosow: Infant botulism: review and clinical update. Pediatric neurology 2015; 5:487-492
2. Cohen H.A. et al. (2012), Effect of honey on nocturnal cough and sleep quality: A double-blind, randomized, placebo-controlled study, Pediatrics, 130 (3) , pp. 465-471. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22869830
3. Nitsche MP, Carreño M.,Is honey an effective treatment for acute cough in children? Medwave. 2016 May 30; 16 Suppl 2:e6454. Epub 2016 May 30. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27280298
4. Khan, et al.(2018) Honey: Single food stuff comprises many drugs. Saudi Journal of Biological Sciences.25(2):320-5. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5815988/
5. RKI-Ratgeber zu Botulismus, abgerufen am 12.02.2020: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Botulismus.html?nn=2398078
6. Cohen HA, et al., Efficacy and tolerability of a polysaccharide-resin-honey based cough syrup as compared to carbocysteine syrup for children with colds: a randomized, single-blinded, multicenter study. World J Pediatr. 2017 Feb; 13(1):27-33. Epub 2016 Jul 15.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27457790
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