Kastanienhonig – Würziger Honig und beliebtes Hausmittel

Kastanienhonig
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Kastanienhonig hebt sich durch seinen leicht bitteren Geschmack von anderen Honigsorten ab. Er ist kein reiner Blütenhonig, da Bienen für die Herstellung neben Blütennektar auch Honigtau der Edelkastanie sammeln. Auf diese Weise entsteht eine besondere Zusammensetzung von Inhaltsstoffen, die dem Kastanienhonig zudem antibakterielle und antioxidative Eigenschaften verleihen. In diesem Artikel erfahrt ihr alles Wissenswerte über Kastanienhonig von einer promovierten Biologin.

Kastanienhonig stammt von der Edelkastanie ab

kastanienbaum

Die Edelkastanie (Castanea sativa), auch Esskastanie genannt, stellt die Grundlage für den Kastanienhonig dar. Sie ist in Europa die einzige Baumart, die zur Gattung der Kastanien gehört. Als Früchte bildet die Edelkastanie die beliebten Maronen, weshalb manche Kastanienhonig als „Maronenhonig“ bezeichnen. In Deutschland finden sich nur in wenigen Gebieten genügend Edelkastanien für die Herstellung eines sortenreinen Kastanienhonigs. Die Pfalz, das Rheintal und der Taunus weisen solche Gebiete auf. Nicht zu verwechseln ist die Edelkastanie mit der Rosskastanie, die an vielen Orten vertreten ist. Die Rosskastanie zählt nicht zur Gattung der Kastanien und ist nicht näher mit der Edelkastanie verwandt.

Bienen sammeln Nektar und Honigtau für den Kastanienhonig

Die Edelkastanie blüht in der Regel im Juni und Juli. Zu der Zeit besiedeln auch viele pflanzensaugende Insekten die Edelkastanie, die sich von Pflanzensaft ernähren und den Überschuss in Form von Honigtau wieder ausscheiden. Wenn die Bienen zum Nektarsammeln ausfliegen, finden sie am selben Kastanienbaum also ebenso Honigtau. Zudem stoßen die Bienen noch auf Pflanzensaft, der direkt aus den Blattachseln austritt. Ihre Ausbeute aus Nektar, Honigtau und Pflanzensaft transportieren die Bienen zum Bienenstock und stellen daraus Kastanienhonig her. Der Anteil an Honigtau kann dabei sehr unterschiedlich ausfallen. Es ist sogar möglich, dass Kastanienhonig zum überwiegenden Teil von Honigtau abstammt. Das ist dann der Fall, wenn die Bienen erst zum Ende der Kastanienblüte oder danach mit dem Sammeln anfangen.

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Deutscher Kastanienhonig ist nicht überall zu finden

Da größere Bestände an Edelkastanien in Deutschland lediglich in bestimmten Gebieten vorkommen, ist Kastanienhonig eben nur von Imkern aus diesen Regionen erhältlich. Durch die kurze Blütezeit, ist das Angebot zusätzlich recht begrenzt. Daher ist Kastanienhonig häufig aus anderen Ländern wie Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei und Griechenland importiert.

Der außergewöhnliche Geschmack macht Kastanienhonig beliebt

Kastanienhonig schmeckt sehr kräftig, würzig und etwas bitter. Dabei ist Kastanienhonig weniger süß als die meisten Honige. Durch diesen Unterschied zu anderen Honigsorten stellt er für Honigliebhaber eine besondere Delikatesse dar. Abhängig vom Honigtauanteil oder vom Anteil anderer Pflanzen variiert der Geschmack von Kastanienhonig je nach Herkunft und Erntezeit. Das gilt ebenso für die Farbe. Kastanienhonig ist eher dunkel und hat einen leicht rötlichen Ton. In der Regel handelt es sich bei Kastanienhonig um einen Honig, der lange flüssig bleibt.

Die Inhaltsstoffe und Eigenschaften von Kastanienhonig

Kastanienhonig Farbe

Wie anderer Honig besteht Kastanienhonig hauptsächlich aus Zucker und ist mit ungefähr 300 Kilokalorien pro 100 Gramm sehr gehaltvoll. Allerdings weisen Geschmack, Farbe und Konsistenz schon auf die besondere Zusammensetzung von Kastanienhonig hin, die aber je nach Herkunft und Erntezeit etwas anders ausfallen kann. Kastanienhonig hat einen vergleichsweise niedrigen Gehalt an Traubenzucker, weshalb er so lange flüssig bleibt. Durchschnittlich besteht Kastanienhonig ungefähr zu 41 Prozent aus Fruchtzucker, zu 28 Prozent aus Traubenzucker und zu knapp 18 Prozent aus Wasser.1

Seine dunkle Farbe verrät, dass Kastanienhonig wie Honigtauhonig recht viele Mineralstoffe und Spurenelemente enthält.2 Darüber hinaus sind in Kastanienhonig mehr Phenolverbindungen zu finden als in vielen anderen Honigsorten, die ihm Studien zufolge entsprechend starke antioxidative Eigenschaften verleihen.2 Dazu zählen verschiedene Flavonoide und Gerbstoffe wie Tannine, die außerdem für den bitteren Geschmack des Kastanienhonigs verantwortlich sind.3 Diese und weitere Inhaltsstoffen sorgen laut Wissenschaftlern auch dafür, dass Kastanienhonig eine antimikrobielle und antientzündliche Aktivität besitzt sowie schützend auf die Leber wirkt.3, 4 Kastanienhonig weist zudem Inhaltsstoffe auf, die blutdrucksenkend wirken.5 Es ist allerdings noch nicht geklärt, ob genügend dieser Inhaltsstoffe in einer üblichen Portion vorhanden sind, um mit Kastanienhonig tatsächlich den Blutdruck senken zu können.

Anwendungsmöglichkeiten von Kastanienhonig als Hausmittel

Kastanienhonig ist ein beliebtes Hausmittel bei Erkältung, Sodbrennen und weiteren Beschwerden des Magen-Darm-Traktes. Wissenschaftler halten es für durchaus möglich, dass Kastanienhonig dank seiner Inhaltsstoffe etwa bei Magengeschwüren oder bei einer Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori helfen kann. Aussagekräftige Studien dazu stehen jedoch noch aus.3 Ebenso spricht einiges dafür, dass Kastanienhonig wie andere Honige Husten lindern kann.6 Aufgrund seiner speziellen Zusammensetzung und dementsprechenden Eigenschaften gehört Kastanienhonig wahrscheinlich zu den Honigsorten, die sich als Hausmittel besser eignen als andere Honigsorten.7 Wer Kastanienhonig als Hausmittel ausprobieren möchte, sollte ihn pur auf der Zunge zergehen lassen. Bei stärkeren oder länger andauernden Beschwerden, sollten Hausmittel aber niemals einen Arztbesuch ersetzen. Ob der Verzehr von Kastanienhonig darüber hinaus einen allgemeinen gesundheitsfördernden Effekt hat, ist wissenschaftlich unklar.

Kastanienhonig bei der Wundheilung

Kastanienhonig zeigt in wissenschaftlichen Studien einen medizinischen Nutzen für die Behandlung von Wunden.8-10 Da er verhältnismäßig viele biologisch aktive Inhaltsstoffe besitzt, kann Kastanienhonig ähnlich hilfreich für die Wundheilung sein wie Manuka-Honig und Honigtauhonig.11 So kann er durch seine antibakterielle Wirkung Wundinfektionen bekämpfen, die die Heilung von Wunden beeinträchtigen. Außerdem scheint Kastanienhonig Studien zufolge das Immunsystem bei der Wundheilung zu unterstützen, indem er den Aufbau von neuem Gewebe fördert.8 Allerdings sollte zur Behandlung von Wunden, ausschließlich sterilisierter Honig zum Einsatz kommen.

Kastanienhonig kaufen – Was ist zu beachten?

Beim Kauf der meisten Honigsorten ist es ratsam, Wert auf Regionalität zu legen. Im Fall von Kastanienhonig ist dieser Rat jedoch schwerer zu befolgen, da größere Edelkastanienbestände nur in wenigen Gebieten vorkommen. Dennoch kann es vorteilhaft sein, auch bei Kastanienhonig die Herkunft zu berücksichtigen. Hochwertigen und leckeren Kastanienhonig kann man hier kaufen. Darüber hinaus kann ein Bio-Siegel etwas mehr Aufschluss über die ökologische Produktionsweise verschaffen. Schließlich ist es für Verbraucher umso umständlicher, Näheres über den entsprechenden Imkerbetrieb zu erfahren, je weiter dieser entfernt ist.

Kastanienhonig – Fazit

Kastanienhonig ist ein Honig mit besonderem Geschmack und wertvollen Inhaltsstoffen. Als Delikatesse ist er bei vielen Feinschmeckern beliebt, dient aber auch als Hausmittel bei Erkältung und Magen-Darm-Beschwerden. Wissenschaftliche Studien sind vielversprechend, sodass es sich zumindest bei Beschwerden wie etwa Husten und manchen Magen-Darm-Problemen lohnen kann, Kastanienhonig auszuprobieren.

Quellenverzeichnis
1. Oddo et al. (2004) Main European unifloral honeys: descriptive sheets. Apidologie.35(Suppl. 1):S38-S81.
2. Solayman et al. (2016) Physicochemical Properties, Minerals, Trace Elements, and Heavy Metals in Honey of Different Origins: A Comprehensive Review. Comprehensive Reviews in Food Science and Food Safety.15(1):219-233. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/1541-4337.12182
3. Kolayli et al. (2016) A comparative study of the antihyaluronidase, antiurease, antioxidant, antimicrobial and physicochemical properties of different unifloral degrees of chestnut (Castanea sativa Mill.) honeys. Journal of Enzyme Inhibition and Medicinal Chemistry.31(sup3):96-104. https://doi.org/10.1080/14756366.2016.1209494
4. Saral et al. (2016) Apitherapy products enhance the recovery of CCL4-induced hepatic damages in rats. Turk J Med Sci.46(1):194-202. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27511354
5. Leon-Ruiz et al. (2013) Antioxidant, antibacterial and ACE-inhibitory activity of four monofloral honeys in relation to their chemical composition. Food Funct.4(11):1617-1624. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24056722
6. Oduwole et al. (2018) Honey for acute cough in children. Cochrane Database of Systematic Reviews.(4). https://doi.org//10.1002/14651858.CD007094.pub5
7. Combarros-Fuertes et al. (2019) Bioactive Components and Antioxidant and Antibacterial Activities of Different Varieties of Honey: A Screening Prior to Clinical Application. J Agric Food Chem.67(2):688-698. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30575387
8. Nisbet et al. (2010) Effects of three types of honey on cutaneous wound healing. Wounds.22(11):275-283. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25901517
9. Oliveira et al. (2018) Chestnut Honey and Bacteriophage Application to Control Pseudomonas aeruginosa and Escherichia coli Biofilms: Evaluation in an ex vivo Wound Model. Front Microbiol.9:1725. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30108574
10. Park et al. (2017) Chestnut Honey Impregnated Carboxymethyl Cellulose Hydrogel for Diabetic Ulcer Healing. Polymers (Basel).9(7). http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30970925
11. Grego et al. (2016) Evaluation of antimicrobial activity of Italian honey for wound healing application in veterinary medicine. Schweiz Arch Tierheilkd.158(7):521-527. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27504886
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