Wie lange leben Bienen?

Ob Henne oder Biene: Am Anfang der Entwicklung steht das befruchtete Ei. Ob daraus eine Arbeiterin oder eine Königin wird, entscheidet allein die Fütterung. Männer sind ein Sonderfall, denn Drohnen schlüpfen aus unbefruchteten Eiern. Erfahren sie in diesem Artikel von einem Biologen alles über die Lebenserwartung von Bienen.

Lebenserwartung Bienen

Das Leben einer Arbeiterin

Legehennen würden bei der Tagesleistung einer Königin vor Neid erblassen: Bis zu 2.500 Eier schafft das fleißige Insekt. Das befruchtete Ei legt eine Arbeiterin am Grund einer Wabe ab. Am vierten Tag schlüpft die junge Rundmade, die sich insgesamt viermal häutet.

Anfangs bekommt sie von den Ammenbienen einen speziellen Futtersaft als Babynahrung, erst am siebten und achten Tag kommen Honig und vor allem Pollen hinzu. Steht am Tag 9 die Verpuppung bevor, zieht sich das Tier mit einem Deckel auf der Wabe zurück.

Die Streckmade verpuppt sich ein fünftes Mal und wird am zehnten Tag zur Vorpuppe. Die Umbauarbeiten zur Puppe finden zwischen dem 13. und 20. Tag statt. Nach 21 Tagen schlüpft die Arbeiterin, für die nun das Leben als Stockbiene beginnt.

In den beiden ersten Lebenstagen kümmert sie sich als Ammenbiene um die Säuberung der Waben und das Warmhalten der Brut. Vom dritten Tag an füttert sie die älteren Larven, erst zwischen dem sechsten und zwölften überlässt man ihr auch die Allerjüngsten.

In diesem Zeitraum übernimmt sie zudem Nektar und Pollen der Sammelbienen und lagert sie in speziellen Waben ein. Zugleich ist sie als Putzbiene mit der Sauberhaltung des Bienenstockes beschäftigt.

Vom zwölften bis achtzehnten Tag nutzt das Tier seine Wachsdrüsen und bastelt als Baubiene neue Waben. Gegebenenfalls schleppt es tote Artgenossen aus dem Stock.

Als Wächterbiene patrouilliert sie vom 17. bis 19. Tag am Eingang des Bienenstockes und hält ungebetene Gäste fern.

Die Sammelbiene stellt ab dem 20. Tag die Versorgung mit Pollen und Nektar sicher. Eine anstrengende Tätigkeit – kommt nicht der Winter dazwischen, stirbt das erschöpfte Tier nach 35-40 Sammeltagen.

Bienenkönigin, Drohne und Arbeiterin
Die drei unterschiedlichen Typen der Honigbiene.

Brauchen länger, leben kürzer: Die Drohnen

Die Eier, aus denen Drohnen entstehen, legt die Königin ohne männliche Beteiligung – ein Prozess, den man als Jungfernzeugung (Parthogenese) bezeichnet. Benötigt werden die männlichen Tiere allein für die Besamung der Jungköniginnen, die zwischen April und August mit einem Teil des Schwarmes auf Wanderschaft gehen und sich ein neues Zuhause suchen. Länger werden keine Drohnen produziert – und auch nicht im Bienenstock geduldet.

Die Eier mit der Drohnenbrut nehmen im Bienenstock einen eigenen Bereich mit verhältnismäßig großen Waben in Anspruch. Ihre Entwicklung läuft zunächst genau wie bei einer Arbeiterin, nur dass die Rundmade erst am zehnten Tag die Wabe mit einem Deckel verschließt und sich zur Vorpuppe entwickelt. Auch die Puppe lässt sich etwas länger Zeit: Sie schlüpft am 24. Tag nach Eiablage.

Ein Bienenstock produziert einige hundert männliche Tiere, die bereits nach acht bis zehn Tagen geschlechtsreif werden. Die Drohnen üben fleißig fliegen und erkunden die Gegend. Auf speziellen Drohnensammelplätzen warten sie darauf, dass Jungköniginnen aus der Umgebung – wegen der Inzuchtgefahr nicht des eigenen Volkes! – auf Hochzeitsflug gehen. Zehn bis fünfzehn davon kommen zum Zuge und paaren sich mit einer Königin, der danach ausreichend Samen für ihre gesamte Lebenszeit zur Verfügung steht. Nach der Paarung sterben die Drohnen.

Nicht besser ergeht es den verbliebenen Kollegen im Bienenstock, die fortan als unnötige Fresser gelten. Kurz nach der Sommersonnenwende verweigern ihnen die Arbeiterinnen das Futter, lassen sie nicht mehr in den Stock oder helfen mit dem Giftstachel nach. Nach der Drohnenschlacht liegen alljährlich hunderte toter Männchen unterhalb des Eingangs zum Bienenstaat.

Seine Majestät: Die Königin

Am längsten lebt die Königin, die bis zu fünf Jahre alt werden kann. Sie ist das einzige fortpflanzungsfähige Weibchen im Stock, von neuen Jungköniginnen abgesehen. Letztere werden nur herangezogen, wenn die alte Regentin an Altersschwäche leidet oder das Bienenvolk so groß geworden ist, dass es demnächst ausschwärmt und eine Tochterkolonie bildet.

Geregelt wird das über Pheromone der Königin: Wird sie alt, produziert sie weniger davon, wird das Volk größer, verdünnt sich der Duftstoff auf mehr Tiere. Beides löst das den Bau von Weiselzellen aus, speziellen Waben, die senkrecht herabhängen und groß genug für die zwei Zentimeter messenden Jungköniginnen sind.

Eierproduzentin oder Arbeitstier? Darüber entscheidet allein das Futter: Die Larven in den Weiselzellen erhalten Gelée Royale, ein spezielles Sekret, das die Ammenbienen in ihren Futterdrüsen bilden. Alle anderen Tiere bekommen lediglich Nektar und Pollen. Der Wachstums-Booster sorgt dafür, dass die Rundmade bereits am achten Tag einen Deckel aufzieht und die Königin in einer Rekordzeit von 16 Tagen schlüpft.

Was für Drohnen gilt, gilt auch für überschüssigen Königinnennachwuchs: Die erste Amtshandlung Seiner Majestät besteht darin, die noch nicht geschlüpften Konkurrentinnen mit ihrem Giftstachel aus dem Weg zu räumen.

Quellenverzeichnis
David Gerstmeier, Tobias Miltenberger: Ein Jahr mit den Bienen: Wie sie leben, was sie tun und warum die Königin die Mutter aller Bienen ist. Stuttgart 2018: Franck-Kosmos-Verlag. ISBN-10: 9783440159514.
Speziell für Kinder:
Christina Braun, Ruth Koch: WAS IST WAS – Erstes Lesen Band 5: Bienen. Nürnberg 2019: Tessloff-Verlag. ISBN-10: 3788626437.
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