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Schadstoffe im Honig – Wann ist Honig giftig?

Honig ist Natur pur und gesund? Nicht notwendigerweise. Die Bienen vertragen einige Mitbringsel aus den besuchten Blüten wesentlich besser als der Mensch, der ihnen den Vorrat klaut. Giftstoffe wie Schwermetalle oder Pestizide haben die nektarproduzierenden Blühpflanzen aus dem Boden aufgenommen. Mancher Nektar enthält Toxine, die halluzinogen wirken oder in hohen Dosen tödlich sind. Ungesund wird aber auch jeder normale Honig, wenn man ihn unsachgemäß lagert oder erhitzt. Die Gefahr einer akuten Vergiftung mit giftigen Honigsorten ist meist eher gering. Wesentlich häufiger steht eine Akkumulation toxischer Substanzen zu befürchten. Erfahre in diesem Artikel alles Wissenswerte worauf du bei Honig achten musst von dem Gesundheitswissenschaftlicher Dr. Harald Stephan.

Nicht zu alt, nicht zu warm: Gesundheitsgefährdung durch 5-HMF im Honig

5-Hydroxymethylfurfural (5-HMF) findet man in neuem Honig nur in winzigen Mengen, und ein geringer Gehalt gilt als Frische- und Qualitätsmerkmal. Mit zunehmender Lagerdauer oder bei zu starker Erwärmung zerfällt Fructose unter Dehydratisierung zu 5-HMF. Je nach pH-Wert, Wassergehalt, Calcium- und Magnesiumkonzentration sowie Lagerungsbedingungen nimmt der HMF-Gehalt jährlich um 2-3 Milligramm zu. In der EU gilt ein Grenzwert von 40 Milligramm pro Kilo, der Deutsche Imkerbund (DIB) schreibt maximal 15 Milligramm pro Kilo vor.

5-HMF findet sich beispielsweise auch in Trockenpflaumen und Karamell, der als Grundlage von Zuckerkulör unter der Bezeichnung E 150d vielen Lebensmitteln Farbe verleiht. Seine tägliche Aufnahme mit der normalen Nahrung schätzt man auf vier bis 30 Milligramm pro Kopf und Tag. Die Substanz gilt als mutagen, karzinogen und zytotoxisch, wobei das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) zwar warnt, aber bei den in Lebensmitteln üblichen Mengen keine akute Gefährdung sieht.

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    Unmittelbar toxisch ist Honig mit 5-HMF also nicht, aber erhitzte und überlagerte Chargen sollte man sicherheitshalber vermeiden. Zugleich ist das einer der Gründe, warum man ihn niemals über 40 Grad Celsius erhitzen sollte.

    Grayanatoxine

    Grayanatoxine sind sekundäre Pflanzenstoffe, die einige Heidekrautgewächse (Ericaceae) zum Schutz vor Fressfeinden bilden. Dazu gehören

    • Rhododendron spec. – Rhododendron-Arten, die in Asien, Nordamerika und selten in Europa heimisch sind,
    • Pieris spec. – Lavendelheide aus Ostasien, Nordamerika und der Karibik,
    • Andromeda spec. – Rosmarinheide, welche auf der Nordhalbkugel gedeiht,
    • Kalmia spec. – die nordamerikanischen Lorbeerrosen und
    • Agarista spec. – die in Südamerika und Madagaskar vorkommenden Agarista-Arten.

    Sie finden sich in allen Pflanzenteilen, sogar in Pollen und Nektar, mit denen sie in den Bienenstock gelangen. Berühmt ist der Pontische Honig, den man auch als Schwarzmeerhonig, Rhododendronhonig oder Tollhonig „mad honey“ bezeichnet. Interessanterweise schadet er den Bienen überhaupt nicht – wohl aber Menschen, die unzuträgliche Portionen zu sich nehmen.

    Grayanatoxine wirken neurotoxisch. In geringen Dosen sind sie halluzinogen, in größeren Mengen kommt es durch die Aktivierung von Natriumkanälen zum Vagotonus. Dieser äußert sich mit Übelkeit, Ermüdung, Verlangsamung der Herztätigkeit, Puls- und Blutdruckabfall bis hin zum Tod durch Kreislauf- und Atemstillstand.

    Das hält die Menschen nicht davon ab, den psychedelischen Honig pur oder in Getränken zu konsumieren. Lokal gilt er als Heilmittel gegen diverse Erkrankungen, etwa an der Schwarzmeerküste oder beim Volk der Gurung in Nepal. Als Aphrodisiakum überdosiert führt Grayanatoxin-haltiger Honig regelmäßig zu Todesfällen, vor allem nachdem er immer häufiger online verkauft wird. Tierpenisse und Nashornpulver sind ebenso wirkungslos, aber nicht ganz so fatal: Klassischerweise treten die meisten Todesfälle bei asiatischen Männern mittleren Alters auf.

    Einen ausführlichen Beitrag über halluzinogenen Honig finden Sie hier.

    Mutterkornalkaloide im Honig

    Eine LSD-ähnliche Wirkung hat D-Lysergsäureamid (LSA, Ergin), Isolysergsäureamid und Lysergol, die im Nektar der „grünen Schlange“ vorkommen. So nannten die Azteken die Ololiuqui-Ranke, das Windengewächs Turbinia corymbosa. Der von stachellosen Melipona-Arten gesammelte Nektar liefert einen Honig, den bereits die alten Maya mit seiner psychedelischen Wirkung für rituelle Handlungen benutzten und der bis heute in verschiedenen Getränken Verwendung findet.

    Todesfälle aufgrund einer akuten Intoxikation mit Mutterkornalkaloiden aus Honig sind nicht bekannt. Wie bei vielen anderen psychoaktiven Substanzen kommt es aber häufig zu Unfällen im Rauschzustand, vor allem wenn sich weitere Halluzinogene oder Alkohol dazugesellen.

    Weiterführende Informationen über den psychedelischen Honig aus Mittelamerika sind hier nachzulesen.

    Allerlei Alkaloide: Biogene Gifte im Honig

    Etliche Pflanzen bildet mehr oder weniger toxische Alkaloide, die auch in Nektar und Pollen erscheinen. In der wissenschaftlichen Literatur finden sich vereinzelt Beschreibungen von ernsthaften Vergiftungen und Todesfällen mit Honig, den Bienen an diesen Futterlieferanten gesammelt haben:

    • Tropanalkaloide wie Atropin und Scopalamin in Nachtschattengewächsen (Solanaceae), darunter Stechapfel (Datura stramonium.), Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) und Tollkirsche (Atropa belladonna). Ihr Sortenhonig verursacht Halluzinationen, Herzklopfen und Benommenheit.
    • Pyrrolizidinalkaloide (PA) bei Borretschgewächsen (Boraginaceae), Hülsenfrüchtlern (Fabaceae, vor allem Crotalaria spec.) und Korbblütlern (Asteraceae). Die leberschädigenden und als krebserregend geltenden Giftstoffe sind durch das Jakobs-Greiskraut (Senecio jacobaea) bekannt geworden und sollten laut Bundesamt für Risikobewertung (BfR) möglichst überhaupt nicht verzehrt werden.
    • Indolalkaloide wie Gelsemin, Gelsemicin und Gelsedin aus dem amerikanischen Carolina-Jasmin (Gelsemium sempervirens), die als Nervengifte agieren und Übelkeit, Muskelspasmen und Durchfälle verursachen.
    • Das Diterpen-Alkaloid Aconitin führt zu Atemstillstand und Herzversagen. Es findet sich in allen Pflanzenteilen der giftigsten Pflanze Europas, dem Hahnenfußgewächs Eisenhut (Aconitum napellus) – auch in seinem Nektar und Pollen. Schon geringe Anteile im Honig können erhebliche Vergiftungserscheinungen hervorrufen.
    • Tutin ist ein Toxin, das seinen Namen vom neuseeländischen Tutu-Strauch erhalten hat. Coriaria arborea gehört zu den Gerberstrauchgewächsen (Coriariaceae). Hier ist es nicht der Nektar, der das Gift in den Honig bringt, sondern Honigtau. Er stammt von der Spitzkopfzikade Scolipopa australis, die sich am Saft der Bäume gütlich tut.

    Schwermetalle

    Verschiedentlich berichtet man von Kontaminationen des Honigs mit Schwermetallen wie Blei, Arsen, Cadmium und Quecksilber. Man könnte vermuten, dass er demzufolge einen recht guten Umweltmonitor für solche Gifte darstellt. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass alle untersuchten Metalle mit Ausnahme von Aluminium, Blei und Cadmium im Honig in geringerer Konzentration auftauchen als im Körper der Bienen. Demzufolge wirken die Tiere wie ein Biofilter, der die toxischen Schwermetalle aus dem Nektar entfernt und das Bienenprodukt vor einer Kontamination schützt. Möchten Wissenschaftler also mehr über eine mögliche Schwermetallbelastung erfahren, sind die Bienen selbst für Messungen besser geeignet als ihr Sammelgut.

    Eine besonders gute Nachricht ist das nicht, denn sie zeigt, dass sich diese Metalle in Organismen akkumulieren. Sie dürften sicherlich mit zum Bienensterben beitragen. Und auch für uns sind solche Giftstoffe in der Umwelt höchst ungesund, ohne dass wir sie zuvor mit Honig zu uns nehmen müssten.

    Pestizide

    Pestizide

    Die Quittung für unsere industrielle Landwirtschaft bekommen wir mit dem Frühstück serviert. Stiftung Warentest fand in jedem dritten untersuchten Honig Spuren des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat. Bei einer Sorte erreichte die Konzentration die Hälfte des gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwertes von 50 µg/kg. Eine andere Untersuchung entdeckte in jedem dritten Honig Glyphosatmengen, die in der EU nicht mehr verkehrsfähig wären.

    Derlei Rückstände sind nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel und zudem nur die Spitze eines Eisberges sonstiger Pestizide. Man findet immer nur das, was man gezielt sucht. Auch wenn solcher Honig nicht akut toxisch ist, sind die Langzeitwirkungen nicht abzusehen, und zudem sind Pestizidrückstände aus der Landwirtschaft weder für Mensch noch Biene gesund.

    Diese These wird durch eine aktuelle indische Untersuchung von Dr. Thimmegowda und seinem Team gefestigt. Hier fand man auf dem Chitinpanzer und im Körper der dort lebenden Riesenhonigbiene Apis dorsata große Mengen von Schwermetallen und anderen Schadstoffen – ein Resultat der teils erheblichen Luftverschmutzung in den Ballungsräumen. Die Folgen: Beeinträchtigungen des Immunsystems, des Blutes und gesamten Stoffwechsels, die Gesundheit, Verhalten und Überlebensfähigkeit der Tiere massiv beeinträchtigen. Das ist keineswegs eine Spezialität der Bienen, sondern zeigte sich genauso bei der Essigfliege Drosophila, die wir von unseren Obstschalen kennen.

    Für das Land mit der zweithöchsten Bevölkerungszahl ist eine solche Entwicklung fatal, denn die Ernährung beruht wesentlich stärker als bei uns auf Obst und Gemüse. Umso mehr ist man auf die Bestäubung durch die einheimischen Riesenhonigbienen angewiesen. Zudem legt die Untersuchung nahe, dass vergleichbare Auswirkungen auf den Menschen kaum auszuschließen sind und macht deutlich, dass wir es bei uns besser erst gar nicht so weit kommen lassen.1

    Säuglingsbotulismus durch Honig mit Clostridien

    Kind isst Honig

    Honig ist ein Naturprodukt und somit unsteril. Bakterien wie Clostridien sind überall in der Natur verbreitet und können in seltenen Fällen hineingelangen. Was für Erwachsene in der Regel unproblematisch ist, wird bei Säuglingen zum Gesundheitsrisiko. In ihrem empfindlichen Verdauungstrakt vermehrt sich Clostridium botulinum schlagartig und setzt Botulinumtoxin frei, besser bekannt als Botox. In seltenen Fällen besteht sogar Lebensgefahr. Daher sollten Kinder Honig generell erst ab dem zweiten Lebensjahr essen, wenn sich ihre Darmflora ausreichend entwickelt hat.

    Ausführliche Informationen darüber, ab wann Kinder Honig essen dürfen, sind hier nachzulesen.

    Wie gefährlich ist giftiger Honig?

    Die Gefährdung durch Alkaloide und Toxine in einheimischem Honig ist normalerweise gering. Im Gegenteil geben Leute im Internet sogar viel Geld für halluzinogenen Honig aus dubiosen Quellen aus – auf eigenes Risiko. In Deutschland sind Pyrrolizidinalkaloide aus Greiskräutern in die Schlagzeilen geraten. Schwermetalle und Pestizide finden sich ebenso in anderen konventionellen landwirtschaftlichen Produkten. Die Gefahr solcher Verunreinigungen ist in Honigsorten „aus EU- und Nicht-EU-Ländern“ meist wesentlich größer, und hier muss man zudem mit Pollen aus gentechnisch veränderten Pflanzen rechnen.

    Die Bestimmungen des Deutschen Imkerbundes sind wesentlich strenger als vergleichbare Richtlinien im Ausland, sodass man mit seinen typischen Honiggläsern qualitativ deutlich besser fährt. Etliche Hersteller lassen ihre Produkte von Laboren lebensmittelchemisch auf Schadstoffe untersuchen. Entsprechende Hinweise findet man auf dem Etikett. Solche Untersuchungen machen den Honig geringfügig teurer, aber damit ist man auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

    Bei Fair Trade bekommen die Imker mehr Lohn für ihre Ware, und in vielen Ländern der Dritten Welt stellen Rückstände aus industrieller Landwirtschaft weniger ein Problem dar als in Europa, China oder Nordamerika. Allerdings ist hier der CO2-Abdruck wegen des Transportes größer als beim Imker um die Ecke.

    Einen umfassenden Schutz vor Schadstoffen bietet Honig von deutschen Erwerbsimkern. Hochwertigen Honig finden Sie zum Beispiel hier. Die professionelle Herangehensweise von Erwerbsimkern sorgt dafür, dass Bienen artgerecht gehalten werden und der Honig aus Regionen stammt, die sorgfältig ausgewählt und regelmäßig kontrolliert werden. Zusätzlich unterliegt dieser Honig zahlreichen behördlichen Analysen, die seine Qualität und Reinheit sicherstellen. Dennoch sollte man sich bewusst sein, dass eine absolute Freiheit von Schadstoffen angesichts der allgemeinen Umweltbelastung kaum realisierbar ist.

    Quellenverzeichnis
    • (1) Thimmegowda, G. G.; Mullen, S.; Sottilare, K.; Sharma, A.; Mohanta, S. S.; Brockmann, A.; Dhandapany, P. S.; Olsson, S. B. A Field-Based Quantitative Analysis of Sublethal Effects of Air Pollution on Pollinators. Proc. Natl. Acad. Sci. 2020. https://doi.org/10.1073/pnas.2009074117.
    • Broscaru L, Dobre C, Rösick F, Halilovic A, Gulba D. Mad Honey Disease. Eur J Case Rep Intern Med. 2018 Jan 31;5(1):000742. doi: 10.12890/2017_000742. eCollection 2018. PMID: 30755974.
    • Bundesamt für Risikobewertung: 5-HMF-Gehalte in Lebensmitteln sind nach derzeitigem wissenschaftlichen Erkenntnisstand gesundheitlich unproblematisch.
    • Daugherty CG. Toxic honey and the march up-country. J Med Biogr. 2005 May;13(2):104-7. doi: 10.1177/096777200501300210. PMID: 19813313.
    • Dżugan M, Wesołowska M, Zaguła G, Kaczmarski M, Czernicka M, Puchalski C. Honeybees (Apis mellifera) as a biological barrier for contamination of honey by environmental toxic metals. Environ Monit Assess. 2018 Jan 27;190(2):101. doi: 10.1007/s10661-018-6474-0. PMID: 29374848
    • Fallico B, Arena E, Zappala M. Degradation of 5-hydroxymethylfurfural in honey. J Food Sci. 2008 Nov;73(9):C625-31. doi: 10.1111/j.1750-3841.2008.00946.x. PMID: 19021792
    • Islam MN, Khalil MI, Islam MA, Gan SH. Toxic compounds in honey. J Appl Toxicol. 2014 Jul;34(7):733-42. doi: 10.1002/jat.2952. Epub 2013 Nov 11. PMID: 24214851 Review.
    • Jansen SA, Kleerekooper I, Hofman ZL, Kappen IF, Stary-Weinzinger A, van der Heyden MA. Grayanotoxin poisoning: ‚mad honey disease‘ and beyond. Cardiovasc Toxicol. 2012 Sep;12(3):208-15. doi: 10.1007/s12012-012-9162-2. PMID: 22528814 Free PMC article. Review.
    • Rubio F, Guo E, Kamp L. Survey of Glyphosate residues in honey, corn and soy products. J Environ Anal Toxicol 2014, 5(1): 249. doi: 10.4172/2161-0525.1000249.
    • Scott PM, Coldwell BB, Wiberg GS. Grayanotoxins. Occurrence and analysis in honey and a comparison of toxicities in mice. Food and Cosmetics Toxicology, 01 Apr 1971, 9(2):179-184 doi: 10.1016/0015-6264(71)90303-8. PMID: 5559997.
    • Silici S, Uluozlu OD, Tuzen M, Soylak M. Honeybees and honey as monitors for heavy metal contamination near thermal power plants in Mugla, Turkey. Toxicol Ind Health. 2016 Mar;32(3):507-16. doi: 10.1177/0748233713503393. Epub 2013 Nov 5. PMID: 24193050
    • Wu H, Luo H, Huang F, Zhou X, Huang X, Chen The study of the constituents and source of toxicants in poisonous honey. J. Anal Biochem. 2019 Mar 15;569:10-15. doi: 10.1016/j.ab.2019.01.001. Epub 2019 Jan 9. PMID: 30639284.
    • Yang W, Zhang C, Li C, Huang ZY, Miao X. Pathway of 5-hydroxymethyl-2-furaldehyde formation in honey. J Food Sci Technol. 2019 May;56(5):2417-2425. doi: 10.1007/s13197-019-03708-7. Epub 2019 Apr 6. PMID: 31168124

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    Was essen Bienen?

    Bienen essen Honig? Das ist eher die Ausnahme. Was wir beim Frühstück und beim Backen so schätzen, dient den Tieren als Wintervorrat. Die meiste Zeit des Jahres ernähren sie sich von Nektar und Pollen, den sie mit einem Trick haltbar machen. Was Besonderes ist das Gelée Royale für Larven und Königin. In diesem Artikel erfahren Sie von Dr. Harald Stephan, was bei den emsigen Tieren auf der Speisekarte steht.

    Erst einmal gibt’s Kraftfutter!

    Als Babynahrung bekommen alle Larven nach dem Schlüpfen Gelée Royale, egal ob Arbeiterin, Drohne oder Königin. Ammenbienen stellen das Sekret in speziellen Futterdrüsen her. Für das gemeine Volk ist die Sonderzulage auf drei Tage beschränkt – nur Königinnenlarven bekommen Gelée Royale für den Rest ihres Lebens. Alle anderen erhalten Pollen, Bienenbrot und etwas Honig – eine nahrhafte Mischung aus Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen, die alles für ihre Entwicklung enthält.

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    Hauptnahrungsmittel Pollen und Perga

    Die frisch geschlüpften Arbeiterinnen übernehmen nach und nach verschiedene Aufgaben: Sie putzen, bauen und bewachen den Eingang, bevor sie auf die Reise gehen. Als Grundnahrungsmittel dient ihnen Bienenbrot oder Perga, das sie aus frisch geliefertem Pollen herstellen. Zur Haltbarmachung trocknen und fermentieren sie den Blütenstaub, sodass er vor Bakterien und Pilzen geschützt ist.

    Es darf genascht werden

    Nebenher gibt es frischen Nektar in allen Verarbeitungsstufen zum Honig. Die Stockbienen nehmen den Blütensaft von den Sammelbienen entgegen. Wiederholtes Auspressen und Aufsaugen lässt die meiste Feuchtigkeit verdunsten. Wenn frau schon gerade mit Leckereien beschäftigt ist, nascht sie natürlich auch davon. Genau wie die Perga ist der fertige, wasserarme Honig lange haltbar.

    Sammelbienen: Frisches von der Bienenweide

    Biene sammelt Pollen

    Sind die Flugbienen unterwegs, sammeln sie fleißig Pollen und Nektar. Natürlich bedienen sie sich auch hier an dem, was ihnen gerade vor den Rüssel kommt. Der Rest wandert in die Honigblase und die beiden Pollenhöschen an den Hinterbeinen und wird zum Bienenstock verfrachtet.

    Im Winter geht’s ans Eingemachte

    In der kalten Jahreszeit ist die Stunde des Honigs gekommen: Er bietet schnell verfügbare Energie in Form von Fructose und Glucose und wird als Heizöl genutzt: Ohne mit den Flügeln zu schlagen lassen die Bienen ihre Muskeln vibrieren und erzeugen dabei jede Menge Wärme. Die hält die Bienentraube warm, selbst wenn es draußen friert und schneit.

    Quellenverzeichnis
    Jutta Gay, Inga Menkhoff: Das große Buch der Bienen. Köln 2012: Fackelträger-Verlag. ISBN 978-3-7716-4495-6.
    Jürgen Tautz: Phänomen Honigbiene. Heidelberg 2007: Spektrum Akademischer Verlag. ISBN-10: 3827418453.
    Karl Weiß: Bienen und Bienenvölker. München 1997: Beck-Verlag. ISBN 3-406-41867-8.
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    Wieviel Honig produziert eine Biene?

    Jeder Deutsche isst jährlich etwa ein Kilo Honig – da liegt die Frage nahe, wie lange Bienen mit der Herstellung des süßen Belages auf unseren Brötchen beschäftigt sind. Sie zu beantworten ist gar nicht so trivial. Die Tierchen selbst bekommt kein Mensch zum Arbeiten mit Stechuhr und Strichliste, um den angeschleppten Nektar und den daraus gewonnenen Honig buchhalterisch festzuhalten. Wie üblich in der Biologie muss man mit leichter zugänglichen Zahlenwerten rechnen und die Statistik bemühen. Bei einer solchen wissenschaftlichen Herangehensweise ist es notwendig, alle die Honigernte beeinflussenden Parameter genau zu analysieren. Und das sind eine ganze Menge. Dr. Harald Stephan hat keine Mühen gescheut und herausgefunden wie viel Honig eine Biene produziert.

    Wozu brauchen Bienen Honig überhaupt?

    Bestimmt nicht, um den Menschen einen Gefallen zu tun und sie mit einer gesünderen Alternative als Wurst und Mett zum Frühstück zu beglücken. Sie stellen Honig als haltbaren Energievorrat her, auf den sie insbesondere in der kalten Jahreszeit zurückgreifen. Im Winter bilden sie im Inneren des Bienenstocks eine Bienentraube, in der die Tiere die kritische Betriebstemperatur von 10 Grad Celsius mit dauerhaft brummenden Flugmuskeln aufrechterhalten. Ab acht Grad verfallen sie in Kältestarre. Im Vergleich dazu ist es im Inneren des Gewusels kuschelig warm, selbst wenn draußen gerade ein Schneesturm tobt.

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    Während den bei Wildbienen nur einzelne Königinnen überleben, hat unsere vorausschauende Honigbiene Apis mellifica im Frühjahr einen deutlichen Vorsprung. Sobald die ersten Blüten aufgehen und die Außentemperaturen es zulassen, kann ein geschrumpftes, aber voll funktionsfähiges kleines Volk auf die Suche nach Nahrung gehen und die Familie versorgen.

    Was sammeln Bienen für die Herstellung von Honig?

    Biene sammelt Nektar

    Honig ist in erster Linie eine übersättigte Zuckerlösung aus weiterverarbeitetem Nektar oder Honigtau, oder ein Gemisch aus beiden.

    • Die Bienen interessieren sich für den süßen, zuckerreichen Nektar, den viele Pflanzen am Grunde ihrer farbenprächtigen Blüten für sie bereithalten. Das geschieht nicht ohne Hintergedanken – mit Süßgetränk, Duftstoffen und weithin sichtbaren Tankstellen stellen die Samenpflanzen ihre Bestäubung sicher. Beim Hineinkrabbeln bekommen die fleißigen Helfer sogleich eine Portion Pollen mit auf die Reise zur nächsten Blüte verpasst. Ohne die tatkräftige Unterstützung der Honig- und Wildbienen würden diese Gewächse nicht nur in Ermangelung von Saatgut auf Dauer aussterben, in unseren Küchen gäbe es nur klägliche Mengen an Obst und Gemüse. Und erst recht keinen Honig.

    • Nicht minder beliebt sind die kohlenhydratreichen Ausscheidungen saugender Insekten – Bienen denken sich: Zucker ist Zucker, egal ob schon mal gegessen oder nicht. Was Tannen- oder Fichtenläuse und anderes blattlausartiges Getier aus den Leitungsbahnen von Bäumen und sonstigen Pflanzen saugen, tritt an ihrem Hinterteil auf freundliches Anklopfen hin als süßer, vorverdauter Saft zutage. Dieser Honigtau liefert zahlreiche aromatische und mineralstoffreiche Honigsorten wie Wald- oder Pinienhonig. Kein Wunder, dass Süßigkeiten sammelnde Bienen und Ameisen sich über eine Blattlausplage deutlich mehr freuen als der fluchende Gartenbesitzer.

    Wie wird aus Nektar Honig gemacht?

    Das Sammelgut hat noch etliche Aufbereitungsschritte vor sich.

    • Honig und Honigtau bringt die Trachtbiene in ihrer winzigen Honigblase zum Bienenstock, wo ihre Schwestern die Fracht in Empfang nehmen.

    • Diese trocknen sie durch wiederholtes Aufsaugen und Auspressen so lange ein, bis die Zuckerlösung reichlich Flüssigkeit verloren hat.

    • Das Konzentrat lagern sie in Waben ein, die sie allerdings nicht vollständig füllen. So bleibt genug freie Oberfläche, um der Verdunstung weiteren Vorschub zu leisten. Unterstützt wird das durch die heimelige Stocktemperatur um die 40 Grad Celsius, ein effektives Frischluftsystem und zusätzliche Ventilation durch Flügelschlagen.

    • Ist der Wassergehalt unter 20 Prozent gesunken, können Bakterien und Schimmel dem jungen Honig nichts mehr anhaben. Im Prinzip wäre er nun bis in alle Ewigkeit haltbar.

    • Deckel auf der Wabe bedeutet: Mädels, der Winter kann kommen – Honig ist fertig!

    Wie viele Bienen hat ein Bienenvolk?

    Bienenvolk

    Diese Honigherstellung ist wie alles bei unserer Honigbiene Teamwork. Das Zauberwort des Bienenstaates heißt Arbeitsteilung:

    • Fruchtbar ist nur die einzelne Königin, die jeden Tag um die 2.000 Eier legt und mit einem speziellen Königinnen-Pheromon für den Zusammenhang ihres Volkes sorgt. Sie lebt bis zu fünf Jahre und bekommt als Königinnenfutter einzig und allein das legendäre Gelée Royale.

    • Drohnen sind die Männchen und für die Begattung zuständig. Sonst nichts. Von ihnen gibt es meist nur 1.000 – 2.000 Exemplare. Haben sie ihren Zweck erfüllt, werfen ihre rabiaten Schwestern die unnütz gewordenen Fresser in der Drohnenschlacht Ende Juni aus ihrem gemütlichen Zuhause, sodass sie verhungern. Nur wenige haben das Glück, beim Schwärmen eine Königin zu befruchten und so für ihr genetisches Überleben zu sorgen.

    • Den größten Teil machen die sterilen Arbeiterinnen aus. Ein durchschnittlicher Bienenstock hat davon zwischen 30.000 und 50.000, bei guten Bedingungen sogar 100.000 und mehr – das ist aber die Ausnahme. Davon sind rund zwei Drittel Stockbienen, die Larven großziehen, den Stock sauber halten, Waben bauen oder am Eingang Wache stehen. Zur Sammel- oder Trachtbiene wird eine Arbeiterin erst am Ende ihrer Entwicklung. Als Winterbienen überleben einige sogar die kalte Jahreszeit.

    • Hinzu kommt der Nachwuchs in Form von Eiern und Larven. Im Sommer sind 40.000 bis 60.000 Brutzellen besetzt, zumeist mit Arbeiterinnen und wenigen Drohnen. Weiselzellen mit Königinnenlarven finden sich bis zu 15 in einem Bienenstock – falls das Volk zu groß wird und Seine Majestät beschließt, mit einem Teil ihrer Untergebenen einen Schwarm zu bilden und ins Exil zu gehen.

    Wie viele Bienen sammeln Honig?

    • Eine Biene wird rund 20 Tage nach dem Schlüpfen zur Sammelbiene.

    • Danach ist sie 35 bis 40 Tage im Einsatz, bis sie an Erschöpfung stirbt.

    • Der Anteil von Trachtbienen an einem Bienenvolk liegt bei etwa einem Drittel, durchschnittlich also 10.000 bis 17.000 Tiere.

    • Im Herbst geht die Sammlerei allmählich zu Ende – immer weniger Blüten liefern Nektar, und auch die Läusepopulationen schwinden mit abnehmenden Temperaturen.
    • Weniger Stress bedeutet, dass die noch verbliebenden Sammelbienen den Winter überleben können. In der Regel sind das zwischen 10.000 und 15.000 Tiere – plus eine Königin, der überflüssigen Drohnen hat man sich zu diesem Zeitpunkt längst entledigt.

    • 5.000 Tiere gelten als kritische Grenze für das Überleben eines Bienenvolkes. Mit weniger als 4.000 Bienen wird die Überwinterung kritisch, sodass der Stock kaum das nächste Frühjahr erlebt.

    Wie viel Honig sammelt eine Biene?

    Eine Honigbiene ist mit elf bis dreizehn Millimetern Länge und einem Durchschnittsgewicht von 82 Milligramm ein Leichtgewicht. Geht eine Trachtbiene auf Nektarsuche, so füllt sie ihren Honigmagen und schabt den Pollen in zwei Pollenhöschen an den beiden hinteren Beinpaaren. Der Lastenflieger bringt beinahe das komplette Eigengewicht in Form von Zuckerlösung und Pollen nach Hause.

    Schauen wir uns die beeindruckenden Zahlenwerte der fleißigen Bienen an:

    • „Leergewicht“ einer Sammelbiene: 82 Milligramm.

    • Flüssigkeitstransport im Honigmagen: 40 bis 50 Mikroliter (tausendstel Milliliter).

    • Lastentransport in Pollenhöschen: 20 Milligramm.

    • besuchte Blüten pro Ausflug: 15 bis 100, je nach Nektarangebot

    • Zahl der Ausflüge pro Tag: durchschnittlich sechs bis 13, bei gutem Wetter 20 bis 30.

    • durchschnittliche Flugdauer pro Ausflug: 27 Minuten.

    • durchschnittliche Tagesstrecke pro Biene: 85 Kilometer, gemessen wurden aber auch schon 175 Kilometer.

    • durchschnittliche Fluggeschwindigkeit: sechs bis acht Meter pro Sekunde (entspricht 22 bis 29 Stundenkilometern)

    Umgerechnet bedeutet das:

    • Bei zehn Sammelaktionen á 15 bis 100 Blüten besucht eine Biene 150 bis 1.000 Blüten pro Tag.

    • Ein Bienenvolk mit 17.000 Trachtbienen bestäubt demzufolge bis zu 17.000.000 Blüten täglich.

    • Beim Pollen sind das bei zehn Ausflügen 200 Milligramm Pollen pro Biene und über drei Kilogramm pro Volk.

    • Zehn Tagestransporte mit 50 Mikrolitern in der Honigblase bedeuten einen halben Milliliter Nektar oder Honigtau pro Biene. Oder hochgerechnet knapp 167 Mikroliter fertigen Honig.

    • Honig hat eine durchschnittliche Dichte von 1,4 Kilogramm pro Liter, umgerechnet 1,4 Milligramm pro Mikroliter.

    • 167 Mikroliter entsprechen somit 233 Milligramm Honig, die eine einzelne Biene täglich herstellen kann.

    • Bei 40 Sammeltagen wären das 20 Milliliter Nektar beziehungsweise 6,4 Milliliter oder 9,3 Gramm Honig pro Biene. Zum Vergleich: ein gestrichener Teelöffel voll Honig wiegt mit zehn Gramm knapp etwas mehr.

    • Aufs ganze Volk hochgerechnet: 17.000 Bienen sammeln 8,5 Liter Flüssigkeit – theoretisch würde das nach Eintrocknen auf ein Drittel für 2,83 Liter beziehungsweise 3,97 Kilo Honig reichen.

    Allerdings wird ein großer Teil von Nektar und Honigtau sofort als Flugbenzin verbraucht, und Pollen dient als Nahrung für Stockbienen und Brut, vor allem in Form von fermentiertem Bienenbrot (Perga). Zudem wird beides gründlich getrocknet, um Fäulnis zu verhindern.

    Insgesamt kann ein Bienenstock an einem Sommertag um die 3,5 Kilogramm an Gewicht zunehmen – das zu messen ist mit speziellen Stockwaagen möglich, die heutzutage sogar Temperatur, Luftfeuchtigkeit und weitere Parameter direkt auf das Handy des modernen Imkers liefern.

    Wie viel Honig sammelt ein Bienenvolk pro Jahr?

    Honig liefert vor allem Kalorien in Form von Zucker, wohingegen Pollen und Bienenbrot mit Proteinen und Fetten für Wachstum und Entwicklung wichtig sind. Ein einzelnes Bienenvolk benötigt pro Jahr

    • 70 bis 80 Kilogramm Honig als Energiequelle und

    • 25 bis 30 Kilogramm Pollen als Quelle für Eiweiße und Fette.

    Dabei liegt der Bedarf an Futter zum Überwintern bei 12 bis 15 Kilogramm. Im Herbst sollte ein Volk mindestens um die 5.000 Bienen haben, damit es den Winter überlebt. Meistens sind es etwa 10.000 bis 15.000. Alles Weibchen, und davon nur eine fruchtbare Königin.

    Wie viel Honig kann der Imker bekommen?

    Bei Honigbienen steht das Überleben im Winter im Vordergrund – daher sammeln sie nach Kräften und legen sich so viel Vorrat an wie möglich. Dank dieses Sicher ist sicher- Verhaltens kann sich der Imker einen Teil ihrer Wintervorräte abzwacken. Sollte ein Winter unvorhersehbar kälter ausfallen als gedacht. muss er gegebenenfalls Heizöl in Form von Zuckerwasser zur Verfügung stellen, damit seine Schützlinge nicht frieren.

    Wieviel das ist, hängt von vielen Bedingungen ab. Die angegebenen Durchschnittswerte schwanken zwischen zwölf und dreißig Kilogramm pro Jahr und Volk, wobei eine gute Jahresernte auch mal 75 Kilogramm betragen kann.

    Zwei Gläser Honig bedeuten… eine Menge Arbeit

    Gläser Honig

    Rechnen wir doch mal spaßeshalber zurück, was für einen Aufwand das jährliche Kilo Honig auf unserem Frühstückstisch zu bedeuten hat:

    • Ein Kilo Honig hat bei einer durchschnittlichen Dichte von 1,4 Kilogramm pro Liter ein Volumen von 0,71 Litern.

    • 0,71 Liter Honig entspricht der dreifachen Menge an Nektar oder Honigtau, also 2,13 Litern.

    • Da die Honigblase bis zu 50 Mikroliter fasst, sind das rund 426.000 Füllungen.

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    • Für eine einzige Füllung sind 15 bis 100 Blütenbesuche notwendig.

    • Rechnen wir zehn Ausflüge pro Tag und Biene, sind das 85 Kilometer und fünf Stunden Flugzeit für zehnmaliges Auffüllen der Honigblase beziehungsweise 500 Mikroliter Nektar.

    • Aus diesem halben Milliliter werden 167 Mikroliter oder 223 Milligramm Honig pro Tag und Biene – besagter knapp gestrichener Teelöffel in einem ganzen Bienenleben.

    Demzufolge benötigt man für ein Kilo Honig

    • 426.000 Tagesausflüge,
    • 6.390.000 – 42.600.000 besuchte Blüten,
    • 381.166 Kilometer Flugstrecke – also neuneinhalbmal um den Globus, und
    • 22.422 Flugstunden.

    Anmerkung
    All das sind natürlich bestenfalls Richtwerte – sie geben nur eine ungefähre Vorstellung, und in Anbetracht der erheblich schwankenden Parameter wären Rechnungen auf die fünfte Nachkommastelle genau alles andere als angebracht.

    Wovon hängt die Ausbeute an Honig ab?

    • Je mehr Bienen ein Volk im Sommer zählt, desto mehr Sammelbienen und umso mehr Honig gibt es. Bei unserer Honigbiene liegt die Volksstärke im Sommer bei 40.000 – 50.000 Tieren, unter guten Bedingungen kann sie sogar die 100.000er-Marke überschreiten. Der Imker kann den zur Verfügung stehenden Raum im Bienenstock beeinflussen, denn die Bienen brauchen schlichtweg genug Platz zum Einlagern. Das kann allerdings ins Auge gehen, wenn das Volk zu groß wird: Dann verlässt die alte Königin mit einem Teil ihrer Besatzung den alten Stock und sucht sich eine neue Bleibe. Dabei verschwinden um die 30.000 Tiere auf Nimmerwiedersehen, falls der Imker ihrem Ausflug nicht folgt und sie wieder einsammelt. Und mit ihnen die Aussicht auf eine ordentliche Honigausbeute.

    • Gute Bedingungen bedeutet auch, dass das Wetter nicht zu warm und nicht zu kalt, nicht zu feucht und nicht zu trocken ist. Die Nektarproduktion hängt ganz wesentlich von den nutzbaren Regenfällen ab, und selbst ertragreiche Nektarlieferanten wie Robinie oder Raps versuchen bei anhaltender Trockenheit die Blätter für die Photosynthese zu retten, statt kostbares Nass in die Vermehrung zu investieren. Mehr Regen bedeutet auch mehr Nektar. Andererseits entfalten die Bienen bei Wärme und Sonnenschein ihre größte Aktivität. Eine gesunde Mischung sorgt für die höchsten Erträge.

    • Die Pflanzen in einem Umkreis um die drei Kilometer müssen genug Material zum Sammeln hergeben – das ist der übliche Wirkungsradius der Sammelbienen um ihre Behausung herum. Daher kann der Imker den Ertrag erheblich steigern, indem er eine Umgebung mit reichhaltigen Nektarquellen als Standort für sein Volk aufsucht. So entscheidet sich auch, ob es reichlich konventionellen Rapshonig von riesigen Agrarflächen gibt oder Bio-Honig aus Waldgebieten und extensiv genutzten Feldern und Äckern.

    • Ebenso wichtig ist, dass nicht Krankheiten, Feinde und Schädlingen das Volk schwächen. Insbesondere bei der in Deutschland glücklicherweise unüblichen Massenhaltung breiten sich diese in Windeseile in dicht an dicht stehenden Bienenstöcken aus und sorgen für verheerende Verluste. Virus- und Bakterieninfektionen, insbesondere aber die Varroa-Milben schädigen auch die kleinen Bestände der bei uns vorherrschenden Kleinimker. Die lästigen Spinnentiere können ein Volk so schwächen, dass es nicht genug Wintervorrat anlegt und die Zahl der Winterbienen unter die kritische Überlebensmarke sinkt.

    • Ein solches Bienensterben betrifft die einheimischen Wildbienen noch viel stärker, aber auch die domestizierten und vom Menschen liebevoll betreuten Honigbienen leiden an Umweltverschmutzung, Pestiziden, Monokulturen und der Verkleinerung naturbelassener Flächen. Solche Faktoren beeinträchtigen die Honigernte ebenfalls ganz erheblich.

    Quellenverzeichnis
    Jutta Gay, Inga Menkhoff: Das große Buch der Bienen. Köln 2012: Fackelträger-Verlag. ISBN 978-3-7716-4495-6.
    Randolf Menzel, Matthias Eckoldt: Die Intelligenz der Bienen München 2016: Knaus-Verlag. ISBN 978-3-8135-0665-5.
    Karl Weiß: Bienen und Bienenvölker. München 1997: Beck-Verlag. ISBN 3-406-41867-8.
    Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG): Bienen im Mathematikunterricht.
    PDF: https://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/bienen/dateien/bienen_im_mathematikunterricht.pdf
    Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Honigkonsum : Zwei Gläser pro Kopf
    PDF: https://www.ble.de/SharedDocs/Downloads/DE/Pressemitteilungen/160629_Honigkonsum.pdf
    Dachmarke – Linzer Stadthonig: Über Bienen und Honig.

    Bienenwissen


    Bienen & Natur: Wie viel Honig bringt ein Bienenvolk?

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    Phaceliahonig – Eine recht neue Honigsorte

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    Phaceliahonig ist hierzulande noch ziemlich unbekannt. Das liegt daran, dass Landwirte die Phaceliapflanzen erst seit relativ kurzer Zeit in Deutschland auf größeren Feldern anbauen und Imker diese für die Honigproduktion nutzen. Honigliebhaber sollten die exotisch duftende Honigsorte auf jeden Fall einmal ausprobieren. Erfahre in diesem Artikel alles Wissenswerte über Phaceliahonig von einer promovierten Biologin.

    Was ist Phaceliahonig?

    Phaceliahonig ist ein sortenreiner Honig aus dem Nektar von Phaceliapflanzen. Pflanzen der Gattung Phacelia sind auch bekannt unter den Bezeichnungen „Bienenfreund“ oder „Büschelschön“. Sie stammen ursprünglich aus Amerika, wurden aber schon vor über 100 Jahren nach Europa gebracht. Zunächst dienten Phaceliapflanzen nur als Zierpflanze, bis Landwirte ihren Nutzen zur Gründüngung entdeckten. Als Zwischenfrucht können die Phaceliapflanzen den Boden wieder mit Nährstoffen anreichern und sogar manche Schädlinge vertreiben. Außerdem eignet sich Phacelia gut als Futterpflanze und als Bienenweide. Die wunderschönen violetten Blüten liefern ungefähr so viel Nektar und Pollen wie Rapspflanzen. Deshalb lieben Honigbienen und andere Insekten die Pflanze. Einige Imker nutzen das und lassen ihre Bienen den Nektar von Phacelia zu Honig verarbeiten. Schließlich ist aufgrund der Nektarmengen der Ertrag bei Phaceliahonig sehr hoch. Dennoch gibt es bislang nicht viele großflächige Felder mit Phacelia in Deutschland, sodass deutscher Phaceliahonig noch recht selten ist.

    Aussehen und Geschmack von Phaceliahonig

    Phacelia Honig

    Phaceliahonig gehört zu den hellen Honigsorten. Er enthält fast gleich große Anteile von Traubenzucker und Fruchtzucker, wodurch er wenige Wochen nach der Ernte auskristallisiert.1 Um eine möglichst gleichbleibende feincremige Konsistenz zu erhalten, warten manche Imker den Beginn der Kristallisation ab und rühren den Honig vor dem Verkauf regelmäßig und kräftig. So zerschlagen sich die Kristalle und der Honig wird streichzart. Andere Imker lassen ihn hingegen ungerührt, um dem Aroma nicht zu schaden. Dann ist die Konsistenz steifer. Das Besondere an Phaceliahonig ist sein exotisches und blumiges Aroma, das einem schon als Geruch beim Öffnen des Honigglases in die Nase steigt. Geschmacklich ist Phaceliahonig aber keinesfalls aufdringlich.

    Hat Phaceliahonig eine Heilwirkung?

    Phaceliahonig ist im Vergleich zu manch anderen Honigsorten so gut wie gar nicht erforscht. Wissenschaftler haben gerade erst begonnen, die Inhaltsstoffe in Phaceliahonig genauer zu untersuchen.2, 3 Schließlich ist Phaceliahonig eine recht neue Honigsorte. Ob Phaceliahonig also eine besondere Heilwirkung hat, ist nicht bekannt. Aufgrund von allgemeinen Studien zu Honig ist anzunehmen, dass Phaceliahonig Eigenschaften wie andere helle Honigsorten besitzt. Demnach ist eine leichte antibakterielle und womöglich antioxidative Wirkung zu erwarten, die jedoch in der Regel bei dunklen Honigen stärker ist.4, 5 Da die Wissenschaft aber gerade bei Phaceliahonig noch ganz am Anfang steht, ist eine spezielle Heilwirkung auch nicht auszuschließen. Zumindest haben Forscher bereits ein paar Inhaltsstoffe in Phaceliahonig gefunden, die bisher in keinem anderen Honig nachgewiesen wurden.3 Inwieweit diese allerdings dem Honig eine gesundheitsfördernde Wirkung verschaffen könnten, müssen zukünftige Studien zeigen.

    Verwendung von Phaceliahonig

    Phaceliahonig eignet sich am besten als Nahrungsmittel, solange wissenschaftliche Studien keine besonderen Wirkungen nahelegen. Durch sein exotisches Aroma lässt sich Phaceliahonig hervorragend auf einem Brötchen oder einer Scheibe Brot genießen. Er kann sowohl süße als auch herzhafte Speisen verfeinern und zum Süßen von Getränken dienen. Schließlich besteht Phaceliahonig wie anderer Honig zu rund 80 Prozent aus Zucker. Durch seine Milde verleiht er den Gerichten und Getränken lediglich eine leicht aromatische Süße, ohne deren eigentlichen Geschmack zu überdecken. Da Phaceliahonig allerdings doch eher selten ist, sollten sich Honigliebhaber gut überlegen, ob der exotische Honig dafür nicht zu schade ist. Er schmeckt nämlich ebenso pur als Alternative zu anderen Süßigkeiten.

    Worauf beim Kauf von Phaceliahonig achten?

    Beim Kauf von Honig ist es immer empfehlenswert, auf Regionalität zu achten. Phaceliahonig gibt es jedoch nicht in jeder Region Deutschlands. Dennoch sollte der Honig keine allzu weiten Wege hinter sich gebracht haben. BIO-Phaceliahonig ist ebenfalls aus Deutschland erhältlich und in der Regel eine gute Wahl. Schließlich unterstützt der Kauf von BIO-Produkten (alles Wissenswerte über BIO-Honig) die ökologische Landwirtschaft, die verträglicher für die Umwelt ist. Außerdem ist das Risiko von unerwünschten Rückständen wie etwa von Bienenmedikamenten bei BIO-Honigen meistens geringer. Allerdings ist die Verwendung von Phacelia als Gründünung auch in der konventionellen Landwirtschaft ein erster Schritt in die richtige Richtung und somit ist Phaceliahonig im ökologischen Sinne zumindest besser als beispielsweise konventioneller Rapshonig. Hochwertiger und leckerer Phaceliahonig kann hier bestellt werden.

    Preis von Phaceliahonig

    Obwohl Phaceliahonig recht neu und selten ist, ist er nicht unbedingt teurer als andere Honige vom Imker. Der Preis liegt meistens zwischen 6 und 10 Euro für ein Glas mit 500 Gramm Honig. Selbstverständlich kann guter Imkerhonig preislich nicht mit billigem Importhonig mithalten, den es im Supermarkt massenweise zu kaufen gibt. Die deutlich höhere Qualität und die Wertschätzung für die Imkerarbeit sollte einem der Preis aber mehr als wert sein. Das gilt vor allem vor dem Hintergrund, dass Honig aufgrund des hohen Kalorien- und Zuckergehaltes ohnehin nur in Maßen genossen werden sollte.

    Fazit zu Phaceliahonig

    Phaceliahonig ist eine relativ neue Honigsorte mit einem exotischen und blumigen Aroma. Honigbienen stellen ihn aus dem Nektar von Phaceliapflanzen her, die auf einigen Feldern der Gründüngung als Zwischenfrucht dienen. Weil Bienen diese Pflanzen sehr gerne anfliegen, heißt sie auch Bienenfreund. Phaceliahonig ist vor allem als besonderer Brotaufstrich oder pur zu empfehlen. Ob er eine Heilwirkung besitzt, ist noch nicht wissenschaftlich untersucht. Vermutlich hat Phaceliahonig eine ähnliche antibakterielle und antioxidative Wirkung wie andere helle Honige, die jedoch in der Regel deutlich schwächer ist als bei dunklen Honigen.

    Quellenverzeichnis
    1. Oddo et al. (2004) Main European unifloral honeys. descriptive sheets. Apidologie 35 (Suppl. 1): S38-S81. https://www.apidologie.org/articles/apido/abs/2004/06/MHS06/MHS06.html
    2. Kus et al. (2018) Unlocking Phacelia tanacetifolia Benth. honey characterization through melissopalynological analysis, color determination and volatiles chemical profiling. Food research international 106: 243-253. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29579924/.
    3. Kus et al. (2018) Nitrogen compounds in Phacelia tanacetifolia Benth. honey: First time report on occurrence of (-)-5-epi-lithospermoside, uridine, adenine and xanthine in honey. Food Chem 255: 332-339. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29571484/.
    4. Can et al. (2015) An investigation of Turkish honeys. their physico-chemical properties, antioxidant capacities and phenolic profiles. Food Chemistry 180: 133-141. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25766810/
    5. Kus et al. (2016) Activity of Polish unifloral honeys against pathogenic bacteria and its correlation with colour, phenolic content, antioxidant capacity and other parameters. Letters in applied microbiology 62 (3): 269-276. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26693829/
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    Halluzinogener Honig – Rausch mit Honig?

    Halluzinogener Honig – was ist dran an der psychedelischen Wirkung des „mad honey“? Ob am Schwarzen Meer, unter den Gipfeln des Himalayas oder im fernen Mexiko: Die berauschenden und heilsamen Effekte verschiedener Honigarten sind rund um den Globus fester Bestandteil der traditionellen Medizin. Heute weiß man, dass dafür Grayanatoxine und LSD-ähnliche Substanzen verantwortlich sind. Seit der Antike kennt aber auch deren mitunter tödliche Auswirkungen, mit denen unbedachte Drogennutzer bei falscher Anwendung Bekanntschaft machen. Erfahre in diesem Artikel alles Wissenswerte über halluzinogenen Honig von dem Biologen Dr. rer. medic. Harald Stephan.

    Tollhonig aus dem antiken Pontien

    Das germanische toll steht für „den Verstand verlieren“: Tollwut – Tollkirsche – Tollhonig. Für Letzteren ist „Türkischer Wildhonig“ eine vergleichsweise harmlos klingende Bezeichnung. Häufiger begegnet man dem Namen Pontischer Honig. Pontien bezeichnete in der Antike die kleinasiatische Südküste des Schwarzen Meeres, die heute im Nordosten Anatoliens liegt. Diese Region war auch namengebend für die Pontische Alpenrose Rhododendron ponticum, die zusammen mit ihrer gelben Schwester Rhododendron luteum den Unterwuchs zahlreicher Waldgebiete an der türkischen Schwarzmeerküste beherrscht.

    Wie die ganze Pflanze enthalten ihr Pollen und Nektar Grayanatoxine wie Grayanatoxin I (bisweilen als Andromedotoxin, Rhodotoxin oder Asebotoxin bezeichnet). Die ebenso von verschiedenen anderen Heidekrautgewächsen gebildeten sekundären Pflanzenstoffe gehören zu den Tetracyclophytanen und dienen zum Schutz vor hungrigen Tieren. Sie haben schon so manchem unvorsichtigen Rind und Schaf den Garaus gemacht. In der Schwarzmeerregion heißen die Büsche im Volksmund Lämmerkiller und Kälbermörder. Eigentlich wirken diese Giftstoffe auch bei Insekten – warum sie ausgerechnet Bienen nichts ausmachen ist ungeklärt.

    Im Honigrausch mit Nervengift: Grayanatoxine

    Umso besser kennt man die Effekte der Grayanatoxine auf den Menschen. Je nach Konzentration können bereits fünf bis 30 Gramm Pontischer Honig Vergiftungserscheinungen hervorrufen – das entspricht zwei Teelöffeln aufwärts.

    Die potenten Neurotoxine halten die Natriumkanäle der Membranen von Nervenzellen geöffnet und führen zur Vagotonie. Was sich anfangs wie ein Vollrausch mit Halluzinationen, Schwindelgefühl und Benommenheit äußert, führt mit fortschreitender Vergiftung zu Blutdruckabfall und Pulsverlangsamung, häufig mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Schlimmstenfalls endet die Intoxikation mit Herzrhythmusstörungen, Kreislaufstillstand und Tod.

    Tollkirsche hilft gegen Tollhonig – klingt schon fast nach homöopathischem Gleiches mit Gleichem bekämpfen: Bei der medizinischen Notfallbehandlung versucht man, die Toxine durch die Injektion von Atropin zu antagonisieren.

    Süßer Hinterhalt: Als die Römer stoned geworden…

    Römer

    Mit den Auswirkungen von Schwarzmeerhonig war man schon in der Antike vertraut. König Mithridates von Pontus besiegte die Armee des Feldherren Pompeius, indem er den marodierenden Römern Waben mit ebenso schmackhaftem wie brisantem Inhalt in die Hände fallen ließ. Dem unwiderstehlichen Naschwerk folgte ein Massaker an der bis zur Kampfunfähigkeit bekifften Truppe, woraufhin eine ganze Weile Ruhe vor den Invasoren herrschte.

    Ebenso wusste man damals bereits um die heilsamen Wirkungen. Dioskurides kannte Rhododendon als Ursprung und beschreibt in seiner Materia medica verschiedene Nutzungen Pontischen Honigs. Die Historia Naturalis Plinius des Älteren bescheinigt ihm schädliche Eigenschaften bei Einnahme, aber auch Unbedenklichkeit bei äußerlicher Anwendung etwa zur Heilung von Augenkrankheiten. Marcellus empfiehlt ihn bei Geschwüren an den Genitalorganen. Andere antike Berichte stammen von Aristoteles, Columella, Strabo und Xenophon.

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    Traditionelle Verwendung von türkischem deli bal

    In der Türkei heißt der Tollhonig deli bal. An der Schwarzmeerküste sorgt er als fester Bestandteil der Volksmedizin für mehr als Halluzinationen und euphorisierende Gefühle. Man verwendet ihn zur Steigerung der Potenz, bei Magenverstimmungen und um Leistungsfähigkeit und Konzentration zu verbessern. Dass er wie andere Honigsorten, insbesondere Manuka-Honig, bei der Wundheilung hilft, hat man hier ebenfalls schon festgestellt.

    Halluzinogener Honig aus dem Himalaya: Die Honigjäger der Gurung

    Nepal Honig

    Einen anderen Rhododendron-Honig kennt man in Nepal. Hier geht das Volk der Gurung seit Generationen zweimal jährlich auf die Jagd nach den Nestern der Kliffhonigbiene Apis dorsata laboriosa. Ein tollkühnes Unterfangen, denn eigentlich sollte man sich mit der besser nicht anlegen. Die schwarz-weiß geringelte Riesenhonigbiene trägt ihren Namen zu Recht und gilt mit bis zu drei Zentimetern Länge als größte Honigbiene der Welt. Damit übertrifft der Brummer sogar unsere einheimische Hornisse, bei der es die Arbeiterinnen gerade mal auf zweieinhalb Zentimeter bringen.

    Ähnlich gigantisch sind die Nester dieser magic bees – die in Felsspalten versteckten Waben werden bis zu einem Meter lang und fast ebenso breit. Die Tiere verbringen den Winter in tiefergelegenen Regionen mit gemäßigtem Klima und steigen in der warmen Jahreszeit auf bis zu 3000 Meter auf. Dort besuchen sie die Blüten der Nationalpflanzen Nepals: Rhododendren, deren Nektar und Pollen wie beim Pontischen Honig jede Menge Grayanatoxin beinhalten.

    Die Honigjagd der Nepalesen ist nicht nur wegen der erbosten Gegenwehr riskant: Für ihre Nistplätze sucht sich die Riesenhonigbiene wohlweislich die steilsten und unzugänglichsten Felswände aus. Daher müssen die Männer an Bambusleitern hochsteigen oder sich mit Seilen herablassen, um die Waben mit Stangen und anderem Gerät aus den steinigen Ritzen herausholen zu können. Das Ereignis ist fester Bestandteil ihrer Kultur und gilt nicht zuletzt als Mutprobe.

    Bei den Gurung nutzt man den psychedelischen Honig zu medizinischen Zwecken. Traditionell nehmen viele jeden Morgen ein Löffelchen, um das Immunsystem zu stärken, Gelenkschmerzen zu lindern und ein langes und fruchtbares Leben zu ermöglichen. Und werden dabei ein bisschen high wie nach einem Joint. Das uralte Brauchtum ist bedroht: Honig und Wachs der Riesenhonigbiene sind so begehrt, dass man die Bestände der Tiere in Nepal und Tibet als gefährdet einstuft.

    Stachellose Bienen und halluzinogener Honig aus Mittelamerika

    Es muss nicht immer Rhododendron sein: Die präkolumbianischen Völker Mittelamerikas verwendeten diverse Mischungen von Honig mit anderen psychoaktiven Substanzen. Als Bienenstock diente den Maya der kurzerhand abgeschnittene hohle Ast mit dem Nest, den sie an beiden Enden versiegelten und mit nach Hause nahmen.

    Die Honigproduzenten der Maya erscheinen weniger bedrohlich als ihre nepalesischen Riesencousinen – die stachellosen „königlichen Damen“ xunan kab (Melipona beecheii und Melipona yucatanica) sind etwa so groß wie unsere Honigbienen und galten als Verkörperung des Gottes ah muzen cab und Verbindung zur geistigen Welt.

    Stachellos bedeutet nicht wehrlos – zur Verteidigung beißen die Tiere. Heute sind die Bestände der Maya-Honigbienen durch das Vordringen der Afrikanischen Honigbiene gefährdet.

    Von Einläufen, Pilzen und LSD-Trips mit Morgenlatte

    Für rituelle Handlungen zu Ehren des Gottes Acan verwendeten die Mayas das berauschende Getränk balché. Dazu verrührten sie die zerkleinerte Rinde des immergrünen Hülsenfrüchtlers Lonchocarpus violaceus mit Wasser und Honig und ließen die Mischung einige Tage gären. Die Rauschwirkung ließ sich verstärken, indem man den Trank zusätzlich als Einlauf verabreichte.

    Hinzu kamen weitere Drogen wie teonanacatl – halluzinogene Pilze der Gattung Psilocybe, mescalinhaltige Kakteen wie peyōtl (Lophophora spec.) sowie pulque, pox und andere alkoholische Getränke. Die spanischen Eroberer versuchten dieses Treiben zu unterbinden, aber bei den Nachfahren der Maya auf der Halbinsel Yucatán kennt man balché noch heute. Es soll böse Geister vertreiben und wird von Schamanen bei Totenbeschwörungen oder Wahrsagungen verwendet.

    Ähnlichen Zwecken diente das Gebräu xtabentún. Heutzutage bezeichnet man damit einen mit Rum und Honig aus ololiuqui hergestellten Likör, der sich in Mexiko großer Beliebtheit erfreut. Das Getränk mit Anisaroma führt zu euphorischen Zuständen mit nachfolgender Müdigkeit. Und zu erheblichem Harndrang – der Grund, warum man die medizinisch genutzte Ololiuqui-Ranke (Turbinia corymbosa) im Englischen scherzhaft als morning glory bezeichnet.

    Für die Herstellung von balché und xtabentún war und ist der Honig von den Blüten der „Morgenlatte“ besonders beliebt. Das kletternde Windengewächs nannten die Azteken bildhaft coatl xoxouqui (grüne Schlange), ololiuqui (rundes Korn) bezeichnete die Samen. Genau wie diese enthält der Honig eine ganze Reihe von Alkaloiden (Artikel über Alkaloide in Honig), darunter LSA – D Lysergsäureamid, Isolysergsäureamid und Lysergol. Die Mutterkornalkaloide sind nahe verwandt mit dem besser bekannten Lysergsäurediethylamid aka LSD und haben eine vergleichbare Wirkung.

    Mad Honey: Heilsam, aphrodisierend, tödlich

    Wie bei vielen sekundären Pflanzenstoffen sind bei Grayanatoxinen und Mutterkornalkaloiden die Grenzen zwischen medizinisch wirksam und todbringend fließend. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ihr natürlicher Gehalt im Honig extrem schwankt. Entsprechend groß ist die Gefahr bei dubiosen Produkten, die man immer häufiger im Internet findet. Die Zahl der teils tödlich verlaufenden Anwendungen steigt in den vergangenen Jahren kontinuierlich an.

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    Erhebliche Gesundheitsprobleme nach Genuss von 20 bis 200 Gramm psychedelischem Honig gaben Anlass zu medizinischen Studien. Die Vergiftungserscheinungen bezeichnet man in der Fachliteratur als mad honey disease. Hinter den prekären Krankheitsfällen steht seine aphrodisierende und psychedelische Wirkung.

    Nicht jeder Nutzer geht mit halluzinogenem Honig so maßvoll um wie die Gurung. In China, Japan und Korea gibt Mann selbst in Zeiten von Viagra immer noch eine Unmenge Geld für das traditionelle Heilmittel aus, das ebenso wie Nashornhorn und Tigerpenis als Aphrodisiakum gilt. Das Problem: Viel hilft viel kann sich als tödlicher Irrtum erweisen. Kein Wunder, dass klinisch relevante Fälle praktisch ausschließlich bei Herren mittleren Alters auftreten.

    Quellenverzeichnis

    Bücher und Buchbeiträge
    Christian Rätsch: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. Botanik, Ethnopharmakologie und Anwendungen. 3. Auflage. Aarau 1998: AT Verlag. ISBN 3-85502-570-3.
    K. Krause: Über den giftigen Honig des pontischen Kleinasien. Naturwissenschaften, Bd. 14, S. 976-978. Berlin 1924: Springer-Verlag. ISSN 0028-104.
    https://www.digizeitschriften.de/dms/img/?PID=PPN34557155X_0014%7Clog593
    H. Desel, H. Neurath: Vergiftungen mit „Pontischem Honig“. Kasuistik aus dem Arbeitskreis Klinische Toxikologie. Toxichem & Krimtech, Mitteilungsblatt der Gesellschaft für Toxikologische und Forensische Chemie 65(2), 1998, S. 63-64.
    https://www.gtfch.org/cms/images/stories/media/tk/tk65_2/DeselPontischerHonig.pdf

    Links
    Wikipedia: Pontischer Honig.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Pontischer_Honig
    Wikipedia: Grayanatoxine.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Grayanotoxine
    Wikipedia: Kliffhonigbiene.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kliffhonigbiene
    Wikipedia: Stachellose Bienen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Stachellose_Bienen
    Turbina corymbosa (Linnaeus) Rafinesque.
    https://catbull.com/alamut/Lexikon/Pflanzen/Turbina%20corymbosa.htm

    Filme
    David Caprara: High im Himalaya: Auf der Suche nach halluzinogenem Honig.
    https://www.vice.com/de/article/qbadj3/high-im-himalaya-0001365-v12n6
    Raphael Treza: Hallucinogen Honey Hunters.
    https://topdocumentaryfilms.com/hallucinogen-honey-hunters/
    Roger Webb: Natural World – Jimmy and the Honey Hunters of Nepal.
    2011 auf Phönix unter dem Titel Nepals Honigjäger – Auf der Suche nach dem süßen Gold.
    2013 auf ZDFneo unter dem Titel Jimmy auf Honigjagd im Himalaya.

    Zeitschriftenartikel
    Jansen SA, Kleerekooper I, Hofman ZL, Kappen IF, Stary-Weinzinger A, van der Heyden MA. Grayanotoxin poisoning: ‚mad honey disease‘ and beyond. Cardiovasc Toxicol. 2012 Sep;12(3):208-15. doi: 10.1007/s12012-012-9162-2. PMID: 22528814. Review.
    Gunduz A, Turedi S, Russell RM, Ayaz FA. Clinical review of grayanotoxin/mad honey poisoning past and present. Clin Toxicol (Phila). 2008 Jun;46(5):437-42. doi: 10.1080/15563650701666306. PMID: 18568799 Review.
    Koca I, Koca AF. Poisoning by mad honey: a brief review. Food Chem Toxicol. 2007 Aug;45(8):1315-8. doi: 10.1016/j.fct.2007.04.006. Epub 2007 Apr 21. PMID: 17540490 Review.
    Jansen SA, Kleerekooper I, Hofman ZL, Kappen IF, Stary-Weinzinger A, van der Heyden MA. Grayanotoxin poisoning: ‚mad honey disease‘ and beyond. Cardiovasc Toxicol. 2012 Sep;12(3):208-15. doi: 10.1007/s12012-012-9162-2. PMID: 22528814. Review.
    Bogusz MJ, Maier RD, Schäfer AT, Erkens M. Honey with Psilocybe mushrooms: a revival of a very old preparation on the drug market? Int J Legal Med. 1998;111(3):147-50. doi: 10.1007/s004140050135. PMID: 9587797.
    Carod-Artal FJ. Hallucinogenic drugs in pre-Columbian Mesoamerican cultures. Neurologia. 2015 Jan-Feb;30(1):42-9. doi: 10.1016/j.nrl.2011.07.003. Epub 2011 Sep 3. PMID: 21893367.
    Kritsky G. Beekeeping from Antiquity Through the Middle Ages. Annu Rev Entomol. 2017 Jan 31;62:249-264. doi: 10.1146/annurev-ento-031616-035115. PMID: 28141962 Review.

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    Mögen Bienen Tagetes Pflanzen?

    Tagetes gehören zu den beliebtesten Sommerblumen überhaupt. Der Name geht auf den etruskischen Gott Tarchies zurück, der bei den Römers Tages hieß. Er soll den Menschen beigebracht haben, wie man aus den Vorzeichen der Natur die Zukunft vorhersehen kann. Auch für Bienen sind die Studentenblumen ein gutes Omen, denn die hübschen großen Blütenköpfe versprechen mit ihrem intensiven Geruch reiche Beute. Erfahre in diesem Artikel alles Wissenswerte über Tagetes im Zusammenhang mit Bienen von dem Biologen Dr. rer. medic. Harald Stephan.

    Studentenblumen und Türkennelken aus Amerika

    Tagetes gehören wie viele andere Zierblumen zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und sind in Mittel- und Südamerika beheimatet. Offenbar waren sie ziemlich auffällig, denn die spanischen Eroberer brachten einige Exemplare der insgesamt rund 60 Arten genau wie Tabak, Kürbis und Kartoffel mit nach Europa. Die Gattungsbezeichnung stammt vom Altmeister der Botanik Carl von Linné höchstselbst. Seinerzeit war alles Türkische – alla turka – sehr in Mode. So bekam auch die amerikanische Einwanderin den Namen Türkennelke verpasst, unter dem man die Tagetes in einigen Regionen Deutschlands noch heute antrifft.

    Bunte Stinker

    Bei den in unseren Gärten anzutreffenden Sorten handelt es sich zumeist um Hybriden der Tagetes erecta, Tagetes patula und Tagetes tenuifolia. Die einjährigen, meist bis zu einen halben Meter hohen krautigen Pflanzen haben filigrane, meist mehrfach gefiederte Blätter, die voller Öldrüsen sind – man erkennt sie als kleine etwas durchscheinende Punkte, wenn man ein Blatt gegen das Licht hält. Die darin enthaltenen etherischen Öle sind verantwortlich für den intensiven Geruch der „Stinkstudenten“, wie man sie im deutschen Südwesten nennt.

    Wie bei vielen anderen Korbblütlern finden sich in den Blütenkörbchen innen röhrenförmige, außen zungenförmige Blüten. Sie sind selten von weißer, wesentlich häufiger von gelber, orangener oder roter Farbe und stehen in Trauben auf langen Schäften. Genau wie in den Blättern finden sich auch in den Blüten einige aromatisch duftende Öldrüsen. Die Blütenköpfe erreichen Durchmesser von mehreren Zentimetern.

    Tagetes als Futter für Schnecken und Menschen

    Des Gärtners langsamster Widersacher riecht die Studentenblume aus großer Entfernung: Schnecken machen sich am liebsten über frisch eingepflanzte Setzlinge her. Gewitzte Menschen nutzen diese Vorliebe und schützen Salat und Erdbeeren, indem sie den schleimigen Konkurrenten ein paar der schnellwüchsigen Tagetes zum Fraß vorwerfen. Viele Schadinsekten finden den Geruch hingegen widerlich – noch ein Grund, den Garten mit den dankbaren Gewächsen zu bepflanzen.

    Dass man der Tagetes bisweilen beim Frühstück wiederbegegnet wissen die Wenigsten. Aus den Blüten gewinnt man das Carotinoid Lutein, das dem Hühnerfutter beigemengt die Eidotter schön gelb färbt. Als Lebensmittelfarbstoff E 161b dient es der Farbgebung von Getränken sowie Süß- und Backwaren. Essbar sind viele Blüten selbst übrigens auch.

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    Bienen, Hummeln und Schmetterlinge lieben Tagetes

    Biene auf einer Tagetes

    Weniger für das Lutein der Blüten als für ihren Nektar und Pollen interessieren sich zahlreiche unserer heimischen Insektenarten, die man im Sommer zuhauf in den Beeten und Rabatten mit Tagetes antrifft. Dazu zählen auch unsere Honigbienen, Wildbienen und Hummeln, die von der reichhaltigen Nahrungsquelle begeistert Gebrauch machen.

    Wie für alle Blüten gilt: Bienen bevorzugen ungefüllte Tagetes-Sorten. Denn bei gefüllten Köpfchen haben die Züchter einige der Staubblätter in weitere Blütenblätter umgewandelt. Damit entfällt deren Pollen, und der Zugang zu den Nektarquellen am Grunde der Blütenkelche ist durch die dichtgestellten Hindernisse verstellt.

    Beim Einkauf wird man feststellen, dass die Übergänge fließend sind – denn mal sind mehr, mal weniger Staubblätter verwandelt. Im Zweifelsfalle sollte man daher auf Sorten zurückgreifen, bei denen die Köpfchen nicht ganz so dicht besetzt sind. Die Bienen haben es lieber schlicht und ergiebig als prächtig und futterarm.

    Quellenverzeichnis
    Joachin W. Kadereit, Christian Körner, Benedikt Kost, Uwe Sonnewald: Strasburger – Lehrbuch der Pflanzenwissenschaften. 37. Auflage. Stuttgart 2014: Springer Spektrum-Verlag. ISBN-10: 9783642544347.
    Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller: Rothmaler – Exkursionsflora von Deutschland: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Stuttgart 2016: Springer-Verlag. ISBN-10: 3662504197
    Wota Wehrmayer, Hermann Hackstein: Dumonts kleines Lexikon Balkon- & Kübelpflanzen: Gestaltung, Pflanzenauswahl, Pflege. Eggelsheim 2007: Dörfler-Verlag. ISBN-10: 3895554170.
    Simone Kern: Mein Garten summt! Ein Platz für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Stuttgart 2017: Franckh-Kosmos-Verlag. ISBN-10: 3440152707.
    Birgit Schattling: Mein Biotop auf dem Balkon: Naturerlebnis und Ernteglück mitten in der Stadt. München 2020: Gräfe & Unzer-Verlag. ISBN-10: 3833873523.
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    Sind Zauberglöckchen für Bienen geeignet?

    Zauberglöckchen oder Minipetunien (Calibrachoa x hybrida) bereiten mit ihren zahlreichen kleinen bunten Blüten Gartenbesitzern und Blumenfreunden viel Freude. Kein Wunder, dass man sie immer häufiger auf Balkon und Terrasse antrifft. Aber sind Zauberglöckchen auch bienenfreundlich, sprich stellen sie den Tieren genug Pollen und Nektar zur Verfügung? Dieser Frage ist Biologe Dr. rer. medic. Harald Stephan nachgegangen.

    Was sind Zauberglöckchen?

    Das Zauberglöckchen gehört zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae), genau wie Kartoffel, Tomate und viele weitere Nutz- und Zierpflanzen. Sein lateinischer Name lautet Calibrachoa, nach dem mexikanischen Botaniker Antonio de Caly Bracho. Etwa dreißig Arten sind in Brasilien und restlichen Südamerika weit verbreitet.

    Die einjährigen, krautigen Pflanzen sehen aus wie Mini-Ausgaben von Petunien und erreichen eine Höhe von bis zu einem halben Meter. Verglichen mit denen ihrer Verwandtschaft sind die Blüten winzig, dafür aber umso zahlreicher und farbenfroher. Kein Wunder, dass sie seit den 1990er Jahren immer mehr Balkonkästen, Blumenbeete und Pflanzkübel erobern.

    Die Blätter sind elliptisch und leicht klebrig wie bei der Verwandtschaft. Die bunten, kelchförmigen Blüten erscheinen in großer Zahl vom April bis in den Herbst hinein und liefern Samenkapseln mit winzigen schwarzen Samen, mit denen sich im Folgejahr die nächste Generation heranziehen lässt.

    Winterhart ist die Calibrachoa nicht – man kann sie zwar überwintern, aber sie wird nicht mehr so schön buschig und blütenreich wie im Vorjahr. Die Anzucht aus den Samen ist ganz einfach, und im Gartenfachhandel findet man ein buntes und reichhaltiges Angebot an jungem Nachwuchs.

    Mögen Bienen Zauberglöckchen?

    Für die Bildung der Samen müssen die kleinen Blüten bestäubt werden. Dafür sorgt eine Menge Insekten, die sich ebenso wie der Mensch für das Zauberglöckchen begeistern können. Nicht anders ist es bei den Bienen, die von dem reichhaltigen Pollen- und Nektarangebot gerne Gebrauch machen. Hier werden sie eher fündig als bei den Blüten der Petunien – die sind wesentlich größer, lassen aber viele Tiere leer ausgehen, da sie eher für Kolibris und Nachtfalter ausgelegt sind. Ebenso findet man zahlreiche Hummeln und Schmetterling an der beliebten Balkonblume.[td_smart_list_end]

    Das einzige, was man im Interesse der schwirrenden Interessentenschar vermeiden sollte, sind Sorten mit gefüllten Blüten. Bei diesen hat man durch gezielte Züchtung die Staubblätter durch zusätzliche Blütenblätter ersetzt. Dadurch gibt es weniger Pollen, und zugleich kommen die Besucher in dem dichten Gedränge nicht mehr so ohne weiteres an den tief unten in der Blüte sitzenden Nektar heran.

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    Wissenswertes zur Pflege der Mini-Petunie

    Calibrachoa mag es feucht, hasst aber Staunässe. Sie macht auf Wassermangel unmissverständlich aufmerksam, indem sie bei Trockenheit die Blätter hängenlässt. Dann darf man nicht zu viel des Guten tun und sie ertränken. Ansonsten ist sie ausgesprochen pflegeleicht – die verwelkten Blüten auszuputzen wie bei der Petunie ist nicht notwendig.

    Düngegaben werden gerne in Empfang genommen, am besten in Form eines Langzeit-Düngers, um den man sich nur alle paar Wochen kümmern muss.

    Als Schädlinge findet man des Öfteren Blattläuse. Statt mit der Chemiekeule die Bienen und Schmetterlinge gleich mit zu erschlagen sollte man lieber auf Fressfeinde setzen, die den kleinen Saugern auf natürliche Weise den Garaus machen. Dazu gehören Ohrwürmer, Florfliegen und einige Schlupfwespenarten, die man im Handel als Nützlinge käuflich erwerben kann.

    Quellenverzeichnis
    Joachin W. Kadereit, Christian Körner, Benedikt Kost, Uwe Sonnewald: Strasburger – Lehrbuch der Pflanzenwissenschaften. 37. Auflage. Stuttgart 2014: Springer Spektrum-Verlag. ISBN-10: 9783642544347.
    Wota Wehrmayer, Hermann Hackstein: Dumonts kleines Lexikon Balkon- & Kübelpflanzen: Gestaltung, Pflanzenauswahl, Pflege. Eggelsheim 2007: Dörfler-Verlag. ISBN-10: 3895554170.
    Simone Kern: Mein Garten summt! Ein Platz für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Stuttgart 2017: Franckh-Kosmos-Verlag. ISBN-10: 3440152707.
    Birgit Schattling: Mein Biotop auf dem Balkon: Naturerlebnis und Ernteglück mitten in der Stadt. München 2020: Gräfe & Unzer-Verlag. ISBN-10: 3833873523.
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    Ist Honig vegan? Analyse eines Biologen

    Bienen.info Leserin Kareen Wiesmüller aus Herzberg am Harz hat uns diese Frage zugeschickt. Dr. Harald Stephan beantwortet diese interessante Leserfrage im Folgenden…..

    Ob Honig vegan ist oder nicht hat sich allerdings nicht nur unsere Leserin gefragt, auch in Internetforen erhitzen sich darüber die Gemüter. Dabei ist die Antwort ganz einfach, nämlich ein ebenso klares wie eindeutiges Nein: Er wird von Tieren produziert. Die eigentlich interessantere Frage ist, ob die Gewinnung des Bienengoldes mit dem Tierwohl zu vereinen ist. Bedeutet jedes Schnitzel den sicheren Tod eines Schweines, ist die Sache beim Honig ein wenig komplizierter.

    Kunsthonig – Ohne Bienen kein echter Honig

    Fast vollständig aus dem Lebensmittelhandel verschwunden ist der sogenannte Kunsthonig, der in Geschmack, Geruch und Konsistenz an echten Bienenhonig erinnert. Dabei handelt es sich um Invertzuckercreme, sprich eingedickten Invertzucker. In dünnflüssiger Form ist dieser aus der süßkramversessenen Nahrungsmittelindustrie nicht mehr wegzudenken, denn er ist billig und einfach zu dosieren.

    Seine Herstellung erinnert an das, was sich im Bienenstock abspielt: Invertzucker ist ein Glucose-Fructose-Gemisch, das durch die Hydrolyse von Rohrzucker (Saccharose) oder stärkehaltigem Ausgangsmaterial entsteht. Dieser Vorgang erfolgt durch ein Enzym namens Hydrolase oder eine schwache Säure, welche die Zuckermoleküle voneinander trennen.

    Die Sache ist nur die: Honig ist mehr als eine übersättigte Zuckerpampe. Ein großer Teil seiner sonstigen Inhaltsstoffe stammt aus dem Honigmagen der Bienen, darunter Enzyme wie Katalase und Glucose-Oxidase. Ähnliches gilt für Vitamine, Mineralien, Pollen, Farb- und Aromastoffe, die einen echten Bienenhonig unverwechselbar machen.

    Vegetarisch, aber nicht vegan: Honig, Milch und Eier

    So nahe Kunsthonig dem tierischen Produkt zumindest chemisch kommt: Er ist bestenfalls der vegetarischen, sicher aber nicht der veganen Kost zuzurechnen. Anders als Milchproduktion und Legebatterien kann man die Imkerei nicht ernsthaft als Massentierhaltung bezeichnen – jedenfalls nicht in jener tierverachtenden und profitorientierten Form, die jeder Naturschützer verurteilt. Bienen leben als hochsoziale Tiere von Natur aus dicht gedrängt in ihrem Stock und machen uns Menschen vor, wie echtes Teamwork funktioniert.

    Wirklich unnatürlich wird die Sache erst, wenn bei der industriellen Honigerzeugung massenhaft Bienenstöcke nebeneinanderstehen. Von solchen Zuständen wie beispielsweise in den USA sind deutsche Imker glücklicherweise weit entfernt. Für die Tiere bedeutet so etwas Konkurrenz und Stress, der sich auf ihre Gesundheit negativ auswirkt. Hinzu kommen Antibiotika, die im Gedränge schnell grassierende Infektionen verhindern sollen sowie ständige Transporte über weite Strecken: Bienen auf Bestellung – wo auch immer riesige Obstplantagen dringend auf Bestäubung angewiesen sind.

    Will man als Verbraucher eine möglichst naturnahe Behandlung der Bienen unterstützen, sollte man auf eine wesensgemäße Bienenhaltung achten. Das bedeutet, dass die Tiere schwärmen dürfen, ihre Waben vollständig selbst bauen und die Königin auf natürliche Weise von Drohnen begattet wird. Entsprechende Bienenprodukte wie Honig, Wachs und Propolis findet man im Internet oder auf Nachfrage bei Imkerverbänden.

    Nimmt man den Bienen ihre Nahrung weg?

    Als weiteres veganes Argument gegen Honig gilt, dass der Imker den Tieren ihre angestammte Nahrung wegnimmt und durch simples Zuckerwasser ersetzt. Das stimmt nur bedingt, denn bei der Ernährung der Bienen spielt Honig eine untergeordnete Rolle.

    Als direkt verfügbares Flugbenzin für Sammelbienen kommen Nektar und Honigtau zum Einsatz, die es gar nicht erst bis in Bienenstock und Honigerzeugung schaffen. Stockbienen und Larven ernähren sich von Pollen beziehungsweise seiner fermentierten Form, die man nicht von ungefähr als Bienenbrot bezeichnet. Beide enthalten im Gegensatz zu Honig neben Kohlenhydraten auch jede Menge Fette und Eiweiß, die für Wachstum und Entwicklung essenziell sind. Nur Gelée royale dient als Spezialfutter in den ersten drei Tagen nach dem Schlüpfen und als Superfood für Seine Majestät die Bienenkönigin.

    Honig nutzen die Tiere als Wintervorrat – und schnell verfügbare Energiequelle, wenn sie durch das vibrierende Zittern ihrer Flugmuskeln Wärme erzeugen und im Inneren des Bienenstockes eine minimale Betriebstemperatur von zehn Grad Celsius aufrechterhalten.

    Der Honigdieb leistet keine ganze Arbeit

    So gierig ist er dann doch nicht: Ein verantwortungsbewusster Imker mopst seinen Völkern niemals ihren kompletten Vorrat. Er lässt den Tieren so viel Honig in den Brutwaben, wie sie bis zum nächsten Frühjahr benötigen. Fällt der Winter strenger aus als gedacht und droht das Heizöl zur Neige zu gehen, muss er Kalorien in Form von Zuckerlösung beifüttern.

    Zudem gehen die Bienen auf Nummer sicher – sprich sie sammeln so viel Honig wie ihre Umgebung hergibt. In der Regel ist das bei unserer europäischen Honigbiene ein deutlicher Überschuss. Zum Überleben benötigt ein Volk um die 70 Kilogramm Honig plus 20 bis 30 Kilogramm Pollen. Was darüber hinausgeht, das schnappt sich ihr Betreuer. Bei einem durchschnittlichen Bienenvolk sind das um die 25 Kilo, also etwa fünfzig der üblichen Pfunds-Honiggläser, die man aus dem Handel kennt.

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    Tote Bienen durch Honiggewinnung?

    Auch das ist ein häufiger Anlass zu hitzigen Diskussionen: Bei der Honigerzeugung kommen Bienen ums Leben, da sie durch das Stechen den Tod finden oder beim Hantieren zerquetscht werden. Wesentlich anders ist das bei der Erzeugung pflanzlicher Nahrungsmittel allerdings auch nicht: Tiere sterben bereits bei der Gewinnung landwirtschaftlicher Flächen zu Lasten der natürlichen Flora und Fauna, egal ob man Reis, Soja oder Mais anbaut.

    Weiteren macht der Schutz der Äcker und Felder vor Kahlfraß den Garaus, sei es durch Pestizide oder sonstige Maßnahmen. Darüber hinaus kommen bei jeder Ernte zuhauf Insekten zu Tode – sogar, wenn sich eingefleischte Veganer wie Kuh, Schaf oder Ziege eine Mahlzeit mitsamt zappelnder Beilage einverleiben.

    Fleischbeilage inklusive bei Ersatzprodukten

    Löwenzahn sammeln Ausbeute

    Selbst bei vielen Ersatzprodukten ist der überzeugte Freund veganer Ernährung vor unerwünschtem Beiwerk nicht gefeit, sei es Agavendicksaft, Ahorn- und Zuckerrübensirup oder Apfelsüße. Es wäre illusorisch anzunehmen, hier würde sich nicht die eine oder andere Taufliege und anderes Getier hinein verirren. Bei Trockenfrüchten als süßende Alternative zu Honig sind Feigen das beste Beispiel: Früchte bildet der Feigenbaum nur, wenn die symbiotisch lebende Feigenwespe die Blüten bestäubt – in jeder Feige stecken ihre aufgelösten Reste.

    Manchmal ist der unerwartete Proteinanteil ganz ordentlich: Wer Löwenzahnhonig aus Löwenzahnblüten selber herstellt, wundert sich über das anhaltende Gewusel beim x-ten Waschgang – und will lieber gar nicht wissen, wie viel Krabbelzeug im fertigen veganen Honigersatz immer noch mit von der Partie ist. Ich habe schon habe schon mehrere Male selber Löwenzahnhonig hergestellt und auch nach dem fünften Waschgang krabbeln immer noch zahlreiche kleine Tierchen aus den Blüten…..

    Quellenverzeichnis
    Reinhard Matissek, Werner Baltes: Lebensmittelchemie. 8. Auflage. Stuttgart 2016: Springer-Verlag. ISBN-10: 3662471116.
    Jörg Zittlau: Die heilende Kraft der Bienen. Sanft heilen mit Honig, Propolis, Gelée royale und Co. München 2020: Heyne-Verlag. ISBN-10: 345360525X
    Markus Imhoof, Claus-Peter Lieckfeld: More Than Honey: Vom Leben und Überleben der Bienen. 4. Auflage. Berlin 2012: orange press-Verlag. ISBN-10: 3936086672.
    Bienen & Natur: Wesensgemäße Bienenhaltung: Das steckt dahinter. https://www.bienenundnatur.de/aktuelles/wesensgemaesse-artgemaesse-bienenhaltung-das-steckt-dahinter/
    utopia.de: Honig vegan: Die sechs besten pflanzlichen Alternativen. https://utopia.de/ratgeber/vegane-honig-alternativen/
    IKK Südwest: In jeder Feige steckt mindestens eine tote Wespe. https://iss-einfach-besser.de/mythen/in-jeder-feige-steckt-mindestens-eine-tote-wespe/
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    Sind Petunien für Bienen geeignet?

    Die kunterbunte Farbenpracht auf Balkon und Terrasse erfreut das Auge des Betrachters. Facettenaugen sehen das oft anders: Viele der beliebtesten Pflanzen für Kübel und Kästen sind für Bienen und sonstige Insekten wenig geeignet oder lassen sie in Sachen Pollen und Nektar vollkommen leer ausgehen. Wie steht es eigentlich um des Deutschen beliebteste Balkonpflanze gleich nach der Geranie, die Petunie?

    Bienen.info Leser, Waldemar Frick aus Nürnberg, hat uns diese Frage zugeschickt. Dr. Harald Stephan beantwortet diese Leserfrage im folgenden…..

    So viel vorweg: Biene Maja und ihre wilden Kolleginnen sind nicht die größten Petunie Freunde…..

    Südamerikanische Schönheiten – für Schmetterlinge und Vögel

    Honigbienen und unsere einheimischen Wildbienen haben mit Petunien vor allem ein Problem: Ihre Blüten sind für diese Bestäuber nicht konzipiert. Die zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae) gehörigen Pflanzen kommen aus den gemäßigten und subtropischen Regionen Südamerikas und versorgen dort eine andere Klientel.

    Nur ein Teil der wilden Petunienarten wird von Bienen bestäubt, weitere von Nachtfaltern oder Kolibris. Für letztere beiden Besucher sind die Kronröhren der Blüten so eng gestaltet, dass eine Biene sowohl mit ihrem kurzen Rüssel als auch ihrer Leibesfülle passen muss. Schwärmer und Vögelchen überwinden diese schier unüberwindliche Strecke mit ihrer unendlich langen Zunge.

    Pollen und Nektar? Petunien setzen Bienen auf Diät

    Selbst die bienenfreundlich geräumigeren Petunienblüten haben nicht wirklich viel zu bieten, so groß und bunt sie auch sein mögen: Ihr Angebot an Nektar und Pollen ist begrenzt und für einen Besuch weniger interessant als das anderer Blüten (hier erfährst du welche Blumen Bienen mögen).

    Zudem treffen wir in Gartencentern selten auf natürlich vorkommende Petunienarten. Bei der bekannten „Gartenpetunie“ Petunia x hybrida handelt es sich um eine Kreuzung aus Petunia axiallaris und Petunia integrifolia. Erstere hat weiße Blüten mit engen Röhren, reichlich Nektar und nächtlichem Duft – für Nachtfalter. Bei Letzterer sind die roten Blüten bienengerecht breit, aber Geruch und Büffet fallen extrem mager aus.

    Für unsere einheimischen Bienen liegt die Wahrheit aller Petunien-Hybriden irgendwo dazwischen – der Renner auf dem Speiseplan wird mit Sicherheit keine davon.

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    Gefüllte Blüten sind für Bienen ungeeignet – nicht nur die von Petunien

    Die Aussicht auf eine halbwegs ergiebige Mahlzeit machen gefüllte Petunienblüten endgültig zunichte. Ihre Fülle rührt daher, dass Züchtung auch die Staubblätter in bunte Blütenblätter umgewandelt hat – in Sachen Pollen bedeutet so etwas Fehlanzeige, und die drangvolle Enge der vervielfachten Blütenblätter macht ein Vordringen zum Nektar unmöglich. Was Menschen mit opulenter Blütenpracht erfreut, ist für bestäubende Insekten ein Fiasko. Übrigens eines, das für andere gefüllte Blüten in gleicher Weise zutrifft (hier erfährst du welche Pflanzen Bienen nicht mögen).

    Für Honigbiene und Wildbiene gibt es besseres als Petunie & Co.

    Die beliebten Geranien (genauer Pelargonien) und Petunien lassen Honig- und Wildbienen meist leer ausgehen. Wer der Fauna auf Balkon, Terrasse oder im Garten eine Chance geben will, sollte auf pollen- und nektarreiche, vorzugsweise einheimische Arten zurückgreifen. Dazu zählen Glockenblumen, Natternkopf, Sonnenblumen oder Lavendel. Sogar mit Küchenkräutern tut man nicht nur sich selbst etwas Gutes: Thymian, Oregano, Rosmarin, Salbei und Borretsch liefern auch Bienen und anderen Insekten eine leckere Mahlzeit.

    Quellenverzeichnis
    Tom Gerats, Judy Strommer: Petunia: Evolutionary, Developmental and Physiological Genetics. Stuttgart 2010: Springer-Verlag. ISBN-10: 1441927379.
    Ursula Kopp: Die schönsten Pflanzen für Bienen und Hummeln: im Garten, auf Balkon und Terrasse. 3. Auflage. München 2016: Bassermann-Verlag. ISBN-10: 3809435902.
    Elke Schwarzer: Mein Bienengarten: Bunte Bienenweiden für Hummeln, Honig- und Wildbienen. Stuttgart 2017: Verlag Eugen Ulmer. ISBN-10: 3800108704.
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    Bienenprodukte gegen Hämorrhoiden und Analfissuren

    Mit der Kraft der Bienen gegen Ungemach an einer besonders heiklen Körperstelle: Eine kleine Pilotstudie zeigt, dass die Internetgemeinde nicht von ungefähr Dr. Google häufig nach einem Hausmittel mit Honig bei Hämorrhoiden fragt. Tatsächlich hilft eine simple Kombination mit Bienenwachs und Olivenöl nicht nur gegen eine Vielzahl von Hauterkrankungen: Eine kleine Pilotstudie zeigt, dass sich damit auch Erkrankungen des Afters wie Hämorrhoiden und Analfissuren behandeln lassen. Das Praktische an dieser Honig-Wachs-Mischung: Selbermachen ist kein Problem, und Nebenwirkungen sind nicht zu befürchten. Erfahren sie in diesem Artikel von einem promovierten Gesundheitswissenschaftler alles Wissenswerte über Bienenprodukte gegen Hämorrhoiden und Analfissuren.

    Hämorrhoiden – Ein altbekanntes Problem

    Hämorrhoiden und ähnlich unangenehme Erkrankungen an prekärer Stelle sorgen nicht nur bei einem Großteil der Bevölkerung für schmerzhaftes Ungemach, sie haben bereits des Öfteren die Weltgeschichte beeinflusst. Der Sonnenkönig Ludwig XIV. litt Jahrzehnte daran und vermochte kaum auf seinem Thron zu sitzen, und Napoleon sagt man nach, dass sein Feldherrentalent vor Waterloo versagte, weil eine Analthrombose ihn vom Sattel fernhielt. Hätten sie von der Heilkraft der Bienenprodukte bei Erkrankungen des Afters gewusst, sähe die Welt heutzutage möglicherweise anders aus.

    Warum sind Hausmittel bei Hämorrhoiden so beliebt?

    Jeder Übergang vom verhornten Plattenepithel der Hautoberfläche zu einer weniger bewehrten Schleimhaut ist besonders empfindlich. Leicht kommt es hier zu Verletzungen, in die Bakterien eindringen und für Entzündungen sorgen. Das gilt für die Bindehaut der Augen, den Urogenitaltrakt und besonders häufig auch für den Magen-Darm-Trakt. Machen Aphten, Zahnfleischentzündungen und Lippenherpes weiter oben Probleme, sind es am entgegengesetzten Ende Hämorrhoiden, Analthrombosen, Analfissuren, Analfisteln und schmerzhafte Krämpfe.1

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    Lauter unangenehme Themen, über die man ungerne spricht und die man am liebsten im stillen Kämmerlein mit einem einfachen Hausmittel behandelt. Ein Blick in gedruckte Ratgeber oder das Internet erspart lästige Untersuchungen beim Arzt wie auch Diskussionen über die Vorzüge und Anwendungweise diverser Salben und Zäpfchen beim Apotheker, die andere Kunden interessiert zu verfolgen pflegen. Kein Wunder also, dass das Thema Hämorrhoiden in den Suchmaschinen eine bemerkenswerte Rolle spielt und sich Patienten vorzugsweise selbst informieren.

    Hintenrum: Ohne Blutgefäße keine Dichtung

    Der Schließmuskel des Anus wäre dem Druck von innen alleine kaum gewachsen und könnte nur unzureichend für effiziente Abdichtung sorgen. Daher unterstützen ihn spezielle Blutgefäße des Analkanals, die wie ein prall gefülltes Schlauchsystem das Entweichen von Gasen, Flüssigkeit und Schlimmerem verhindern. Daran sind sowohl Venen als auch Arterien beteiligt. Dieses arteriovenöse Ringsystem ist ebenso wie der Ringmuskel unabdingbar für den gas- und wasserdichten Abschluss.2

    Wie entstehen Hämorrhoiden?

    Hämorrhoiden sind in Maßen völlig normal. Pathologisch wird die Angelegenheit, wenn sich die Blutgefäße über Gebühr ausdehnen, ganz ähnlich wie die venösen Krampfadern an den Beinen. Am After sind die arteriellen Gefäße am häufigsten betroffen. Sobald sich solche inneren Hämorrhoiden vergrößern, beginnen sie zu brennen, zu jucken und schlimmstenfalls zu bluten. Ursachen sind starkes Pressen beim Stuhlgang, Bewegungsmangel und Bindegewebsschwächen, aber auch Übergewicht und der normale Alterungsprozess – Schätzungen zufolge leidet jeder zweiter über 50 an den schmerzhaften Knoten.1

    Äußere Hämorrhoiden und Analthrombosen

    Äußere und innere Hämorrhoiden

    Werden hingegen die Venen größer als üblich, spricht man von äußeren Hämorrhoiden. Durch die Behinderung des Blutflusses kommt es zu Verwirbelungen und Blutgerinnseln, die man an dieser Stelle als Analthrombosen bezeichnet. Glücklicherweise sind die Gerinnsel an dieser Stelle nicht gleich so folgenreich wie Schlaganfall, Herzinfarkt und tiefe Bein- und Beckenvenenthrombosen, aber der sich bildende bläulich Knoten ist äußerst schmerzhaft und erreicht bisweilen die Größe eines Taubeneis.3

    So kommt es zu einer Analfissur

    So tiefgehend muss das Krankheitsgeschehen nicht reichen. Oft genügen fester Stuhlgang und heftiges Pressen, um die oberflächliche Schleimhaut des Analkanals einreißen zu lassen. Die Folge ist eine Analfissur. Begünstigt wird ihr Auftreten durch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Durchfälle und Verstopfungen. Die offene Wunde verursacht heftiges Brennen und Juckreiz und verheilt aufgrund der exponierten Lage an einer ständig durch Stuhlreste verunreinigten Stelle nur schlecht.3

    So werden Hämorrhoiden & Co. beim Arzt behandelt

    Die Möglichkeiten zur schulmedizinischen Behandlung solcher Beschwerden ähneln sich: Schmerzen und Entzündungen lindert man mithilfe von Salben, Zäpfchen, Cremes oder Tabletten. Schlimmere Infektionen beseitigt der Arzt mit Antibiotika, und nur in seltenen, fortgeschrittenen Fällen ist ein operativer Eingriff vonnöten. Wie so oft ist Vorbeugen besser als Heilen – etwa indem man sich viel bewegt, reichlich Ballaststoffe zu sich nimmt und ausreichend trinkt. Das hilft harten Stuhlgang und unnötigem Pressen auf der Toilette zu vermeiden, die die Sache nur verschlimmern.

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    Hausmittel gegen Hämorrhoiden

    Ähnlich wie die Schulmedizin zielen Hausmittel darauf ab, die schmerzhaften Schwellungen, Blutungen und Entzündungen zu lindern. Ebenso gilt es den oft unerträglichen Juckreiz zu lindern. Am probatesten sind gerbstoffreiche oder kamillehaltige Sitzbädern in Verbindung mit selbstgemachten Salben, die in der Naturheilkunde vieler Völker Verwendung finden. Die Gerbstoffe und Flavonoide aus Rosskastanie, Mäusedorn, Zaubernuss und Indischem Wassernabel kommen in Salben, Zäpfchen und Bädern rund um den Globus zum Einsatz.

    Bienenprodukte (hochwertige Bienenprodukte können hier gekauft werden) kommen in der Naturheilkunde häufig vor und sind aus vielen Pflegeprodukten kaum wegzudenken. Eine antibakteriell wirksame und entzündungshemmende Creme aus Honig, Bienenwachs und einem hautpflegenden Öl ist die Grundlage vieler Hausmittel. Dass eine so einfache Mischung tatsächlich hilft, zeigt eine Pilotstudie der Al-Waili’s Foundation for Science and Trading in New York, die 2006 im Scientific World Journal erschienen ist.

    Mit Honig, Bienenwachs und Olivenöl gegen Hämorrhoiden und Analfissuren

    Die Forscher verwendeten als fettreiche Komponente in der Bienenwachs-Honig-Mischung Olivenöl. Diese Mixtur wirkt antioxidativ, antibakteriell und antifungal und regt die Regeneration von Hautzellen durch Ankurbelung der Zytokin-Produktion an. Diese Salbe war den Wissenschaftlern nicht neu: Zuvor hat sie sich bereits bei Windeldermatitis, Psoriasis, Ekzemen und Hautpilzinfektionen bewährt.

    Für die Studie wurden 15 Patienten zwischen 28 und 70 Jahren mit Hämorrhoiden oder Analfissuren untersucht. Behandelt hat man sie mit einer Mischung aus gleichen Volumina Honig, Bienenwachs und Olivenöl. Als Messgrößen wurden einen Monat lang wöchentlich Blutungen, Juckreiz, Ödembildung und Hautrötungen erfasst.

    Und siehe da: Die Hämorrhoiden der Patienten bluteten weniger, und Jucken wie auch Schmerzen nahmen bereits nach einer Woche deutlich ab und waren nach drei Wochen verschwunden. Auch bei den Probanden mit Analfissur gingen Schmerzen, Blutungen und Juckreiz zurück oder verschwanden völlig. Ebenfalls nicht unwichtig: Nebenwirkungen wurden bei der Anwendung des einfachen Naturheilmittels nicht beobachtet.4

    Für definitive Aussagen war die Anzahl der Teilnehmer in dieser Pilotstudie viel zu klein. Aber die ersten Befunde geben Anlass zur Hoffnung, dass sich die positiven Ergebnisse in größeren, randomisierten Kontrollstudien bestätigen lassen. Sollte das der Fall sein, dürfte das Mittel aus natürlichen Substanzen anale Beschwerden wie Schmerzen, Juckreiz und Entzündungen erfolgreich bekämpfen und sich sogar bei der Heilung nach operativen Eingriffen bewähren.

    Hausmittel gegen Hämorrhoiden und Analfissuren selber herstellen

    Möchten Sie dieses Hausmittel gegen Hämorrhoiden und Analfissuren selber herstellen, ist das ganz einfach zu bewerkstelligen: Messen Sie mit einer Tasse oder einem ähnlichen Behältnis gleiche Volumina ab:

    • 1 Teil Olivenöl
    • 1 Teil Honig
    • 1 Teil geschmolzenes Bienenwachs.

    Als Honig verwendeten die Wissenschaftler bei ihrer Studie einen normalen multifloralen Blütenhonig und dazu kaltgepresstes Olivenöl. Verrühren Sie die Zutaten gründlich miteinander und füllen sie die Mischung in kleine Behältnisse ab, fertig. Kühl und lichtgeschützt aufbewahren.

    Wer lieber mit einer Waage arbeiten möchte:

    Tragen sie davon zweimal täglich eine kleine Menge an der betroffenen Stelle auf.

    Manuka-Honig bei Hämorrhoiden besonders wirksam?

    Möglicherweise bietet der vielgepriesene neuseeländische Manuka-Honig mit seiner besonderen Heilkraft weitere Vorteile. Bei vielen Erkrankungen der Haut und Schleimhäute gilt er geradezu als Wundermittel, das selbst chronische Wunden verheilen lässt und multiresistente Keime vertreibt5, und auch bei Hämorrhoiden hat er sich bereits zuvor bewährt.6 Hochwertigen Manuka-Honig kann man hier kaufen.

    Warnhinweis!
    Fortgeschrittene Erkrankungen des Afters gehören unbedingt in die Obhut eines Arztes. Massive, wiederkehrende Blutungen gehen oftmals mit schmerzhaften Entzündungen einher, die man selbst kaum ausreichend zu behandeln vermag und die mit der Gefahr einer bakteriellen Infektion verbunden sind. Falls tatsächlich eine chirurgische Versorgung notwendig werden sollte, können Sie nach Rückfrage mit ihrem behandelnden Arzt immer noch die besprochene Salbe für die Wundheilung und spätere Behandlung Ihres Leidens einsetzen.
    Quellenverzeichnis
    (1) Herold, G.; Dr. Gerd Herold. Innere Medizin 2020; 2019.
    (2) Tittel, K.; Seidel, E. J. Beschreibende und funktionelle Anatomie, 16. überarbeitete und erweiterte Auflage.; KIENER Verlag: München, 2016.
    (3) Riemann, J. F.; Fischbach, W.; Galle, P. R.; Mössner, J.; Georg Thieme Verlag KG. Referenz Gastroenterologie.; 2019.
    (4) Al-Waili, N. S.; Saloom, K. S.; Al-Waili, T. N.; Al-Waili, A. N. The Safety and Efficacy of a Mixture of Honey, Olive Oil, and Beeswax for the Management of Hemorrhoids and Anal Fissure: A Pilot Study. ScientificWorldJournal 2006, 6, 1998–2005. https://doi.org/10.1100/tsw.2006.333.
    (5) Carter, D. A.; Blair, S. E.; Cokcetin, N. N.; Bouzo, D.; Brooks, P.; Schothauer, R.; Harry, E. J. Therapeutic Manuka Honey: No Longer So Alternative. Front. Microbiol. 2016, 7, 569. https://doi.org/10.3389/fmicb.2016.00569.
    (6) Burlando, B.; Cornara, L. Honey in Dermatology and Skin Care: A Review. J. Cosmet. Dermatol. 2013, 12 (4), 306–313. https://doi.org/10.1111/jocd.12058.
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