Akazienhonig – Wie gesund ist der beliebte Honig?

Akazienhonig
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Akazienhonig aus Deutschland ist eigentlich Robinienhonig. Echter Akazienhonig ist hingegen immer importiert, da hierzulande Akazien so gut wie nicht vorkommen. Beide Honigsorten sind sich jedoch sehr ähnlich und eignen sich besonders als alternatives Süßungsmittel zu Haushaltszucker. In diesem Artikel erfahrt ihr alles Wissenswerte über Akazienhonig von einer promovierten Biologin.

Der Unterschied zwischen Akazienhonig und Robinienhonig

Ein Strauch einer Akazie

Akazienhonig und Robinienhonig haben ein unterschiedliches Herkunftsland und stammen von verschiedenen Pflanzen ab. Akazien wachsen hauptsächlich in den Tropen und Subtropen, während Robinien in Mitteleuropa gut gedeihen und weit verbreitet sind. Das gilt vor allem für die Gewöhnliche Robinie, die der Mensch vor Jahrhunderten aus Nordamerika nach Europa brachte. Da diese äußerlich Ähnlichkeiten zu den Akazien aufweist, sind andere Namen für sie „Scheinakazie“ und „Falsche Akazie“. Viele bezeichnen die Robinie daher auch einfach nur als „Akazie“. Folglich hat sich ebenso für Robinienhonig der Begriff „Akazienhonig“ durchgesetzt, obwohl das eigentlich nicht korrekt ist. Robinien sind noch nicht einmal enge Verwandte der Akazien. Sie gehören nämlich zur Unterfamilie der Schmetterlingsblütler und nicht wie die Akazien zur Unterfamilie der Mimosengewächse. Der Honig aus beiden Pflanzen ist sich jedoch sehr ähnlich und lässt sich durch das Herkunftsland unterscheiden. Deshalb dürfen Imker Robinienhonig aus Deutschland als „Akazienhonig“ verkaufen. Echter Akazienhonig ist im Gegensatz zu Robinienhonig zumindest in deutschen Supermärkten eher eine Seltenheit.

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Die Herstellung von Akazienhonig in Deutschland

Biene an einer Akazie

Die Scheinakazie blüht im Mai und Juni mit auffälligen weißen Blütentrauben. Scheinakazien stellen oftmals die erste neue Nahrungsquelle nach dem Winter für die Bienen dar, da sie so früh im Jahr blühen. Sie bieten Honigbienen und anderen Insekten ein überaus reiches Angebot an Nektar und Pollen. Daher zählt die Scheinakazie zu den sogenannten Bienenweidepflanzen, die Honigbienen bevorzugt anfliegen. Wenn der Imker die Bienenvölker in der Nähe von Robinienwäldern hält, sammeln die Bienen im Frühjahr hauptsächlich den Nektar der Robinienblüten und stellen daraus Akazienhonig her. Beim Akazienhonig handelt es sich also um einen monofloralen Blütenhonig, da er überwiegend von den Blüten dieser einen Pflanzenart abstammt.

Aussehen und Geschmack von Akazienhonig

Farbe von Akazienhonig

Deutscher Akazienhonig ist wie echter Akazienhonig sehr hell, gelblich und flüssig. Der Anteil an Fruchtzucker ist bei Akazienhonig besonders hoch, weshalb er seine flüssige Konsistenz lange beibehält. Honigsorten mit weniger Fruchtzucker und einem höheren Traubenzuckergehalt kristallisieren früher aus. Im Honig enthaltene Enzyme bauen Fruchtzucker zu Traubenzucker um, wodurch er fest wird. Bei Akazienhonig dauert das entsprechend länger. Außerdem schmeckt Akazienhonig durch den hohen Fruchtzuckergehalt ziemlich süß, da Fruchtzucker eine sehr starke Süßkraft besitzt. Darüber hinaus ist der Geschmack von Akazienhonig mild und recht neutral. Dadurch eignet er sich besonders zum Süßen von Getränken und Speisen, die ihren eigenen Geschmack bewahren sollen. Durch diese Eigenschaften gehört Akazienhonig zu den beliebtesten Honigsorten.

Akazienhonig und die Gesundheit

Es gibt nur sehr wenige wissenschaftliche Studien, die sich mit dem Nutzen von Robinienhonig für die Gesundheit beschäftigen. Die Aussagekraft der heutigen Studienlage ist insgesamt also gering. Robinienhonig besitzt aber laut einer Studie eine antioxidative und antimikrobielle Wirkung wie die meisten naturbelassenen Honige.1 Die Wissenschaftler beschreiben, wie die Bienen durch ihre Weiterverarbeitung des Nektars zu Honig diese Eigenschaften verstärken.

Allerdings scheinen die antioxidative und antimikrobielle Wirkung bei hellen Honigsorten wie Robinienhonig schwächer zu sein als bei dunklen Honigsorten wie etwa Honigtauhonig (beispielsweise Tannenhonig).2 Zur gesundheitsfördernden Wirksamkeit von echtem Akazienhonig liegen bislang ebenfalls nur recht wenige Studien vor, die keine endgültige Schlussfolgerung erlauben.

Der Einfluss von Robinienhonig auf die Wundheilung

Im Fokus der Studien mit Robinienhonig steht dessen Einfluss auf die Wundheilung, da diese Anwendungsmöglichkeit bei anderen Honigsorten am anerkanntesten ist. So deuten Laborversuche an Hautzellen darauf hin, dass Robinienhonig die Wundheilung unterstützen kann.3 In dieser Studie wirkte er sogar effektiver als Manuka-Honig, den Ärzte in Form von medizinischem Honig bei schlecht heilenden Wunden einsetzen. Jedoch konnte eine andere Studie keine verbesserte Wundheilung durch Robinienhonig feststellen.4 Die Wissenschaftler testeten den Honig direkt auf den Wunden von Tieren und nicht wie die erste Studie nur an Zellen. Immerhin konnten sie aber eine entzündungshemmende Wirkung von Robinienhonig nachweisen. Dieselbe Forschungsgruppe veröffentlichte noch zwei weitere Studien, in denen Robinienhonig auf die Wundheilung von Tieren ebenfalls nicht den gewünschten Effekt erzielte.5, 6 In allen vier Studien stammte der verwendete Robinienhonig von derselben japanischen Firma.

Allerdings sind die Ergebnisse dieser Studien mit japanischem Robinienhonig nicht auf Robinienhonige aus anderen Ländern direkt übertragbar. Schließlich können klimatische Bedingungen und die Bodenverhältnisse die Zusammensetzung des Nektars der Robinien verändern. Somit ist nicht nur die Pflanzenart, sondern auch der Standort für die Eigenschaften des Honigs mitentscheidend. Dies bestätigt eine Studie, die Robinienhonige aus verschiedenen Ländern untersuchte. Die Forscher konnten veranschaulichen, dass sich die Honige in der Zusammensetzung und in den Eigenschaften merklich unterschieden, obwohl sie von derselben Pflanzenart abstammten.7 Darüber hinaus ist ein allgemeines Problem von Studien mit Honig, dass der verwendete Honig nicht unbedingt vollkommen naturbelassen ist und noch sämtliche Inhaltsstoffe enthält. Nicht in allen Ländern gelten nämlich die gleichen strengen Regeln wie hierzulande. Außerdem ist jeder Honig einzigartig. So führen Studien schnell zu wenig aussagekräftigen und oft sogar widersprüchlichen Ergebnissen.

Wissenschaftliche Studien über echten Akazienhonig

Studien bescheinigen echtem Akazienhonig ebenfalls antioxidative und antibakterielle Eigenschaften.8, 9 Die antibakteriellen Eigenschaften von echtem Akazienhonig sind laut Studienergebnissen jedoch im Vergleich zu manch anderen Honigsorten deutlich geringer.9 Im Gegensatz zu deutschem Robinienhonig können Imker echten Akazienhonig in den tropischen und subtropischen Gebieten zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr ernten. Einer Studie zufolge ist der Gehalt an antioxidativen Inhaltsstoffen sogar vom Zeitpunkt der Ernte abhängig.10 Demnach hat zumindest in Malaysia der Akazienhonig, den die Imker im regenreichen Monat Januar ernten, eine stärkere antioxidative Eigenschaft als Akazienhonig aus anderen Monaten. Die Wissenschaftler dieser Studie beobachten ebenfalls einen Zusammenhang zwischen den enthaltenen biologisch aktiven Inhaltsstoffen und der Farbe. Je mehr antioxidativ wirkende Stoffe er enthielt, desto dunkler war der Akazienhonig.

Darüber hinaus gibt es erste Hinweise, dass echter Akazienhonig das Immunsystem und die Wundheilung beeinflusst.8, 11-13 Ob Akazienhonig jedoch an die Wirkung von Manuka-Honig auf dem Gebiet der Wundheilung herankommt, ist aufgrund der Unterschiede in den Inhaltsstoffen eher zu bezweifeln. Welche Wirkung der Verzehr von Akazienhonig hat, ist ebenso ungewiss. Ein paar Studien untersuchten dies zwar in Tierversuchen, allerdings erhielten die Tiere entweder unrealistisch große Mengen an Honig oder die Ergebnisse waren nicht eindeutig.

Anwendungsmöglichkeiten von Akazienhonig

Akazienhonig als Süßungsmittel

Akazienhonig ist in erster Linie als natürliches Süßungsmittel zu sehen, egal ob es sich dabei um deutschen Robinienhonig oder importierten echten Akazienhonig handelt. Die Studienlage ist zu dünn, um Akazienhonig gezielt für bestimmte gesundheitsfördernde Anwendungen zu empfehlen. Es spricht einiges dafür, dass andere Honigsorten besser zur Linderung von etwa Halsschmerzen oder Zahnfleischentzündungen geeignet sind. Wer möchte, kann aber bei derartigen Beschwerden selbst ausprobieren, ob nicht doch der geliebte Akazienhonig hilft.

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Regionalen Akazienhonig kaufen

Aus gesundheitlicher Sicht gibt es keine Gründe, echten Akazienhonig Robinienhonig vorzuziehen. Für den Kauf von regionalem Robinienhonig spricht hingegen, dass dies die deutschen Imker unterstützt, die wiederum in der Regel einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Darüber hinaus fallen bei regionalem Akazienhonig keine weiten Transportwege an, was schonender für die Umwelt ist. Außerdem ist es einfacher, sich von der Qualität des Honigs zu überzeugen, wenn der Imker in der Nähe ist. So kann sich der Käufer im Vorfeld informieren, wo der Honig genau herkommt und wie der Imker ihn gewinnt. Bei importiertem Akazienhonig ist zudem häufig unbekannt, ob dieser wirklich noch naturbelassen ist. Hochwertigen und geschmackvollen Akazienhonig kann man hier kaufen.

Fazit zu Akazienhonig

Honigliebhaber dürfen sich bei Akazienhonig nicht von dem Wörtchen „echt“ in die Irre führen lassen. Denn das bezieht sich lediglich auf die Pflanzen, von denen der Honig abstammt. Es sagt nichts über die Qualität aus. Der Kauf von regionalem Akazienhonig ist sogar vorteilhafter, da echter Akazienhonig in der Regel aus tropischen oder subtropischen Ländern importiert ist. Bezüglich des Geschmacks sind sich jedoch beide Honige sehr ähnlich. Sie eignen sich als neutrales und natürliches Süßungsmittel. Wie hilfreich sie als Hausmittel bei gesundheitlichen Beschwerden wirklich sind, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Andere Honigsorten sind Akazienhonig in dem Punkt vermutlich überlegen.

Quellenverzeichnis
1. Gismondi, et al.(2018) From Robinia pseudoacacia L. nectar to Acacia monofloral honey: biochemical changes and variation of biological properties. J Sci Food Agric.98(11):4312-4322. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29427347
2. Ciucure, et al.(2019) Phenolic compounds profile and biochemical properties of honeys in relationship to the honey floral sources. Phytochem Anal.30(4):481-492. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31025476
3. Ranzato, et al.(2013) Honey exposure stimulates wound repair of human dermal fibroblasts. Burns Trauma.1(1):32-38. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27574620
4. Sawazaki, et al.(2018) Efficacy of Honeydew Honey and Blossom Honey on Full-thickness Wound Healing in Mice. Wounds.30(7):197-204. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29718813
5. Nakajima, et al.(2013) Evaluation of the effects of honey on acute-phase deep burn wounds. Evid Based Complement Alternat Med.2013:784959. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24348720
6. Nakajima, et al.(2013) Effects of three types of Japanese honey on full-thickness wound in mice. Evid Based Complement Alternat Med.2013:504537. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23401714
7. Czipa, et al.(2019) Composition of acacia honeys following processing, storage and adulteration. J Food Sci Technol.56(3):1245-1255. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30956304
8. Muhammad, et al.(2016) Potential biological activity of acacia honey. Front Biosci (Elite Ed).8:351-357. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26709666
9. Zainol, et al.(2013) Antibacterial activity of selected Malaysian honey. BMC Complement Altern Med.13:129. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23758747
10. Moniruzzaman, et al.(2013) Two-year variations of phenolics, flavonoids and antioxidant contents in acacia honey. Molecules.18(12):14694-14710. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24287998
11. Iftikhar, et al.(2010) Effects of acacia honey on wound healing in various rat models. Phytother Res.24(4):583-586. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19813239
12. Ker-Woon, et al.(2014) Effect of acacia honey on cultured rabbit corneal keratocytes. BMC Cell Biol.15:19. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24885607
13. Ker-Woon, et al.(2015) The effects of acacia honey on in vitro corneal abrasion wound healing model. BMC Cell Biol.16:2. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25887200
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